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Rezension: Carsten von Wissel (2007): Hochschule als Organisationsproblem. Neue Mo-die universitärer Selbstbeschreibung in Deutschland, transcript Verlag, Bielefeld, 32,80 €; ISBN: 978-3-89942-650-2
Carsten von Wissel setzt sich in seiner Dissertation diskursanalytisch mit Selbstbeschreibungen deutscher Universitäten auseinander. Dabei nimmt Frage, wie aus Universitäten »Organisationen« wurden, einen besonderen Stellenwert ein.
In der Einleitung macht von Wissel die Relevanz des Themas deutlich. Es gehe darum, „ein vertiefendes Verständnis zu generieren, wie soziale Wirklichkeit im hochschulpolitischen Raum produziert wird, wie Forschen, Lehren, Organisieren und Politik-Betreiben einander begrifflich erzeugen, insofern miteinander wechselwirken und aufeinander verwiesen sind“ (S. 15).
Anschließend stellt der Autor seinen theoretischen Rahmen vor. Er klärt hier die theoretischen Grundannahmen und stellt verschiedene Beschreibungsmodelle des Konstruktes »Organisation« vor, bevor er eine institutionelle Perspektive auf Universitäten entwirft. Im Anschluss daran bearbeitet von Wissel die zentralen Grundbegriffe seiner Arbeit bzw. die Begriffe die einen diskursanalytischen Zugang von universitären Selbstbeschreibungen möglich machen.
Im dritten Teil der Arbeit zeichnet von Wissel diskursanalytisch verschiedene universitäre Begriffe, wie »Humboldt«, »Elite« oder »Reform« nach. Am Beispiel »Humboldt« kann von Wissel zeigen, wie dieser Begriff in den letzten 100 Jahren im Kontext universitärer und hochschulpolitischer Diskurse seine Bedeutung verändert hat. Das einst zentrale und damit verbundene Paradigma des Zusammenhangs von Forschung und Lehre gelte in aktuellen Dis-kursen um die Modernisierung von Universitäten nur noch als ein disfunktionaler Ballast. Dieses Nachzeichnen der historischen Bedeutungen von zentralen Begriffen von Universitätsdiskursen macht es möglich, die aktuellen Debatten leichter nachzuvollziehen und einordnen zu können.
Im vierten Teil beschreibt von Wissel Diskurse das zeitgdiagnostisches Modell einer »Wis-sensgesellschaft« als Rahmenbedingung für universitäre Selbstbeschreibungen. Er zeichnet hier die Diskussion detailliert nach und ordnet anschließend die Position der Wissenschaft innerhalb des Diskurses um eine Wissensgesellschaft ein. Dabei bezieht er Theorien der Wissenschaftsforschung ein, wie den »New Mode of Knowledge Production« nach Gibbons, Nowotny u.a. und die Theorie der »Triple Helix of University-Industry-Government-Relations«.
Politiken und Instrumente sind Gegenstand des fünften Teils. Hier werden Politiken, wie die Orientierung an Zahlen und an Nutzen sowie die Differenzierung der Universitätslandschaft, Privatisierung, Europäisierung und Internationalisierung in den Blick genommen. Von Wissel beschreibt diese Politiken als übergeordnete Entscheidungsprogramme, während er in einem zweiten Schritt verschiedene Instrumente, wie Managerialismus und Strategieentwicklung als organisationale Entscheidungsprogramme definiert, die mitunter für die Implementation der Politiken von Bedeutung sind.
In einem nächsten Schritt betrachtet der Autor hochschulpolitische Praxen und vergleicht hier verschiede Empfehlungen seitens der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft, des BMBFs und der ehemals Rot-Grünen-Regierung sowie der Volkswagenstiftung, die sich nach von Wissel nur in Nuancen unterscheiden. Zu guter Letzt werden noch verschiedene Universitätsutopien beschrieben, die diesen Empfehlungen zu Grunde liegen. Obwohl die Utopien sich deutlich voneinander unterscheiden, seien die Praxen relativ homogen. Im abschließenden Fazit verdichtet von Wissel noch einmal die Kernpunkte seiner Arbeit und setzt sie miteinander in Beziehung.
Von Wissel beschreibt die Diskurse um universitäre Selbstbeschreibungen sehr ausführlich und an vielen Stellen auch sehr dicht und vorraussetzungsreich. So bezieht er immer wieder die Luhmannsche Perspektive der Systemtheorie mit ein, gerade wenn es darum geht, Universtitäten als Organisationen zu beschreiben. Diese Perspektive erscheint äußerst gewinnbringend, allerdings macht es den Text für Leserinnen und Leser, die sich bislang noch nicht mit den Grundbegriffen der Systemtheorie beschäftigt haben nicht gerade einfach. Insgesamt bietet die Dissertation einen guten und differenzierten Überblick über die Diskurse universitärer Selbstbeschreibungen.
Carsten von Wissel setzt sich in seiner Dissertation diskursanalytisch mit Selbstbeschreibungen deutscher Universitäten auseinander. Dabei nimmt Frage, wie aus Universitäten »Organisationen« wurden, einen besonderen Stellenwert ein.
In der Einleitung macht von Wissel die Relevanz des Themas deutlich. Es gehe darum, „ein vertiefendes Verständnis zu generieren, wie soziale Wirklichkeit im hochschulpolitischen Raum produziert wird, wie Forschen, Lehren, Organisieren und Politik-Betreiben einander begrifflich erzeugen, insofern miteinander wechselwirken und aufeinander verwiesen sind“ (S. 15).
Anschließend stellt der Autor seinen theoretischen Rahmen vor. Er klärt hier die theoretischen Grundannahmen und stellt verschiedene Beschreibungsmodelle des Konstruktes »Organisation« vor, bevor er eine institutionelle Perspektive auf Universitäten entwirft. Im Anschluss daran bearbeitet von Wissel die zentralen Grundbegriffe seiner Arbeit bzw. die Begriffe die einen diskursanalytischen Zugang von universitären Selbstbeschreibungen möglich machen.
Im dritten Teil der Arbeit zeichnet von Wissel diskursanalytisch verschiedene universitäre Begriffe, wie »Humboldt«, »Elite« oder »Reform« nach. Am Beispiel »Humboldt« kann von Wissel zeigen, wie dieser Begriff in den letzten 100 Jahren im Kontext universitärer und hochschulpolitischer Diskurse seine Bedeutung verändert hat. Das einst zentrale und damit verbundene Paradigma des Zusammenhangs von Forschung und Lehre gelte in aktuellen Dis-kursen um die Modernisierung von Universitäten nur noch als ein disfunktionaler Ballast. Dieses Nachzeichnen der historischen Bedeutungen von zentralen Begriffen von Universitätsdiskursen macht es möglich, die aktuellen Debatten leichter nachzuvollziehen und einordnen zu können.
Im vierten Teil beschreibt von Wissel Diskurse das zeitgdiagnostisches Modell einer »Wis-sensgesellschaft« als Rahmenbedingung für universitäre Selbstbeschreibungen. Er zeichnet hier die Diskussion detailliert nach und ordnet anschließend die Position der Wissenschaft innerhalb des Diskurses um eine Wissensgesellschaft ein. Dabei bezieht er Theorien der Wissenschaftsforschung ein, wie den »New Mode of Knowledge Production« nach Gibbons, Nowotny u.a. und die Theorie der »Triple Helix of University-Industry-Government-Relations«.
Politiken und Instrumente sind Gegenstand des fünften Teils. Hier werden Politiken, wie die Orientierung an Zahlen und an Nutzen sowie die Differenzierung der Universitätslandschaft, Privatisierung, Europäisierung und Internationalisierung in den Blick genommen. Von Wissel beschreibt diese Politiken als übergeordnete Entscheidungsprogramme, während er in einem zweiten Schritt verschiedene Instrumente, wie Managerialismus und Strategieentwicklung als organisationale Entscheidungsprogramme definiert, die mitunter für die Implementation der Politiken von Bedeutung sind.
In einem nächsten Schritt betrachtet der Autor hochschulpolitische Praxen und vergleicht hier verschiede Empfehlungen seitens der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft, des BMBFs und der ehemals Rot-Grünen-Regierung sowie der Volkswagenstiftung, die sich nach von Wissel nur in Nuancen unterscheiden. Zu guter Letzt werden noch verschiedene Universitätsutopien beschrieben, die diesen Empfehlungen zu Grunde liegen. Obwohl die Utopien sich deutlich voneinander unterscheiden, seien die Praxen relativ homogen. Im abschließenden Fazit verdichtet von Wissel noch einmal die Kernpunkte seiner Arbeit und setzt sie miteinander in Beziehung.
Von Wissel beschreibt die Diskurse um universitäre Selbstbeschreibungen sehr ausführlich und an vielen Stellen auch sehr dicht und vorraussetzungsreich. So bezieht er immer wieder die Luhmannsche Perspektive der Systemtheorie mit ein, gerade wenn es darum geht, Universtitäten als Organisationen zu beschreiben. Diese Perspektive erscheint äußerst gewinnbringend, allerdings macht es den Text für Leserinnen und Leser, die sich bislang noch nicht mit den Grundbegriffen der Systemtheorie beschäftigt haben nicht gerade einfach. Insgesamt bietet die Dissertation einen guten und differenzierten Überblick über die Diskurse universitärer Selbstbeschreibungen.
Jenny Lüders (2007): Ambivalente Selbstpraktiken. Eine Foucault'sche Perspektive auf Bildungsprozesse in Weblogs, transcript Verlag, Bielefeld, EUR 28,80, ISBN-10: 3899425995, ISBN-13: 978-3899425994
Jenny Lüders setzt sich in ihrer Dissertation mit Bildungstheoretischen Überlegungen im Anschluss an Foucault auseinander und schließt daran mit einer qualitativer Analyse von Bildungsprozessen in Weblogs an.
Im ersten Teil ihrer Ausführungen beschreibt sie verschiedene Komponenten bzw. Dimensionen des derzeitigen Bildungsbegriffs. Sie beruft sich auf die aktuelle Diskussion darüber, ob „Bildung“ durch andere Begriffe ersetzt werden müsse und auf die Diskussion um die Diskrepanz von Bildungstheorie und Bildungsforschung. Sie benennt aus dieser Perspektive fünf Dimensionen: das Bildungssubjekt, Bildung und Gesellschaft, Bildung und Normativität, Prozesshaftigkeit von Bildung und das Verhältnis von Bildungstheorie und Forschung. Im Anschluss daran setzt sich Lüders mit den Arbeiten von Michel Foucault auseinander und beschreibt seine Forschung zum Subjekt, seine Gegenwartsanalysen, das Verständnis von Kritik, das besonders gut im Verhältnis von Normativität und Bildung wieder entdeckt werden kann, sowie Praktiken der „Entsubjektivierung“ also Praktiken, die es Subjekten ermöglichen „nicht dermaßen regiert zu werden“ (Foucault 1992). Dieser erste Teil der Arbeit, das Zusammendenken von Dimensionen des Bildungsbegriffs und Foucaults philosophisch gesellschaftlich-historischen Arbeiten erweist sich als durchaus fruchtbar, denn so kann eine neoliberale Umdeutung des Bildungsbegriffs oder des Autonomiebegriffs skizziert werden. Das Bildungssubjekt der Aufklärung ist immer in Stränge von Diskursen, Macht- und Wissensverhältnissen eingebunden damit nicht völlig frei und es bedarf daher Bildungskonzeptionen die diese Verstricktheit mitreflektieren und Möglichkeiten zum ‘anders denken’ bieten.
Im zweiten Teil der Arbeit widmet sich Lüders der empirischen Untersuchung von Bildungsprozessen. Dazu beschreibt sie zunächst ihren Untersuchungsgegenstand „Weblogs“ um anschließend ihre methodischen Überlegungen vorzustellen. In diesen verbindet Lüders die drei Achsen der Arbeit Foucaults (Diskursanalyse, Machtanalyse, Genealogie der Ethik) zu einem sehr inspirierenden und für weitere Forschungen durchaus fruchtbaren Untersuchungsraster. Sie untersucht in einem einzelnen Weblog hauptsächlich die Subjektpositionen der Autorin. Die Weblog-Autorin wird aus verschiedenen Diskurs- und Subjektpositionen analysiert. So zeige sie sich zum Beispiel als „Gestalterin“. Letztlich kommt Lüders zu dem Schluss, dass nur teilweise Bildungsprozesse bzw. Veränderungen, die auf Bildungsprozesse schließen lassen, im Weblog sichtbar werden.
Lüders methodisch-analytisches Vorgehen verbleibt jedoch auf einer diskursanalytischen Ebene. Die viel versprechende Verschränkung der drei Achsen wird leider methodisch nicht eingelöst. Die Autorin spricht zwar auch davon, das Vernetzungsstrukturen ein Indikator für Bildungsprozesse sein könnten, kann dies aber am ausgesuchten Weblog nicht zeigen. Lüders belegt ihre Interpretationen kaum, die zitierten Stellen des Weblogs wirken redundant und werden nicht durch Abbildungen angereichert. Insgesamt ist das Buch „Ambivalente Selbstpraktiken“ selbst ein wenig ambivalent, denn es beginnt mit wirklich fruchtbaren, interessanten und anregenden Überlegungen dazu, inwiefern mit Foucault der Bildungsbegriff transformiert werden kann. Vor allem die methodischen Überlegungen bieten verschiedene Anknüpfungspunkte für die weitere Forschung. Die Untersuchung selbst ist im Vergleich dazu eher enttäuschend. Nichtsdestotrotz bietet der Text im ersten Teil ein großes Potenzial und daher lohnt sich das Lesen auf jeden Fall.
Literatur:
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik? Merve Verlag.
Julia Franz
Jenny Lüders setzt sich in ihrer Dissertation mit Bildungstheoretischen Überlegungen im Anschluss an Foucault auseinander und schließt daran mit einer qualitativer Analyse von Bildungsprozessen in Weblogs an.
Im ersten Teil ihrer Ausführungen beschreibt sie verschiedene Komponenten bzw. Dimensionen des derzeitigen Bildungsbegriffs. Sie beruft sich auf die aktuelle Diskussion darüber, ob „Bildung“ durch andere Begriffe ersetzt werden müsse und auf die Diskussion um die Diskrepanz von Bildungstheorie und Bildungsforschung. Sie benennt aus dieser Perspektive fünf Dimensionen: das Bildungssubjekt, Bildung und Gesellschaft, Bildung und Normativität, Prozesshaftigkeit von Bildung und das Verhältnis von Bildungstheorie und Forschung. Im Anschluss daran setzt sich Lüders mit den Arbeiten von Michel Foucault auseinander und beschreibt seine Forschung zum Subjekt, seine Gegenwartsanalysen, das Verständnis von Kritik, das besonders gut im Verhältnis von Normativität und Bildung wieder entdeckt werden kann, sowie Praktiken der „Entsubjektivierung“ also Praktiken, die es Subjekten ermöglichen „nicht dermaßen regiert zu werden“ (Foucault 1992). Dieser erste Teil der Arbeit, das Zusammendenken von Dimensionen des Bildungsbegriffs und Foucaults philosophisch gesellschaftlich-historischen Arbeiten erweist sich als durchaus fruchtbar, denn so kann eine neoliberale Umdeutung des Bildungsbegriffs oder des Autonomiebegriffs skizziert werden. Das Bildungssubjekt der Aufklärung ist immer in Stränge von Diskursen, Macht- und Wissensverhältnissen eingebunden damit nicht völlig frei und es bedarf daher Bildungskonzeptionen die diese Verstricktheit mitreflektieren und Möglichkeiten zum ‘anders denken’ bieten.
Im zweiten Teil der Arbeit widmet sich Lüders der empirischen Untersuchung von Bildungsprozessen. Dazu beschreibt sie zunächst ihren Untersuchungsgegenstand „Weblogs“ um anschließend ihre methodischen Überlegungen vorzustellen. In diesen verbindet Lüders die drei Achsen der Arbeit Foucaults (Diskursanalyse, Machtanalyse, Genealogie der Ethik) zu einem sehr inspirierenden und für weitere Forschungen durchaus fruchtbaren Untersuchungsraster. Sie untersucht in einem einzelnen Weblog hauptsächlich die Subjektpositionen der Autorin. Die Weblog-Autorin wird aus verschiedenen Diskurs- und Subjektpositionen analysiert. So zeige sie sich zum Beispiel als „Gestalterin“. Letztlich kommt Lüders zu dem Schluss, dass nur teilweise Bildungsprozesse bzw. Veränderungen, die auf Bildungsprozesse schließen lassen, im Weblog sichtbar werden.
Lüders methodisch-analytisches Vorgehen verbleibt jedoch auf einer diskursanalytischen Ebene. Die viel versprechende Verschränkung der drei Achsen wird leider methodisch nicht eingelöst. Die Autorin spricht zwar auch davon, das Vernetzungsstrukturen ein Indikator für Bildungsprozesse sein könnten, kann dies aber am ausgesuchten Weblog nicht zeigen. Lüders belegt ihre Interpretationen kaum, die zitierten Stellen des Weblogs wirken redundant und werden nicht durch Abbildungen angereichert. Insgesamt ist das Buch „Ambivalente Selbstpraktiken“ selbst ein wenig ambivalent, denn es beginnt mit wirklich fruchtbaren, interessanten und anregenden Überlegungen dazu, inwiefern mit Foucault der Bildungsbegriff transformiert werden kann. Vor allem die methodischen Überlegungen bieten verschiedene Anknüpfungspunkte für die weitere Forschung. Die Untersuchung selbst ist im Vergleich dazu eher enttäuschend. Nichtsdestotrotz bietet der Text im ersten Teil ein großes Potenzial und daher lohnt sich das Lesen auf jeden Fall.
Literatur:
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik? Merve Verlag.
Julia Franz








