BildungsBlog
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Rubrik: Kritik   [Alle Rubriken]
Die ersten Schulmonate sind vorbei und vielleicht haben sich die ersten kleinen Wissenslücken herausgestellt.

Viele Eltern stehen vor der Frage: Soll ich in ein Lernprogramm investieren oder ist die Wissenslücke so groß, dass Nachhilfeunterricht notwendig ist? Wir werden die Nachhilfemöglichkeiten im nächsten Beitrag näher betrachten.

Kleine Wissenslücken, und sicherlich zum Teil auch Motivationslücken, können mit Hilfe von Lernprogrammen ausgebessert werden. Vor allem ist die Abwechslung zum Lernen im klassischen Sinn – also in Form von Hausaufgaben erledigen, Lesen, Rechnen und Vokabeln lernen – sicherlich nicht von Nachteil. Lernen, egal in welcher Form, ist immer gut. Wenn es an Motivation fehlt, kann ein Lernprogramm möglicherweise die Motivation zum Lernen steigern.

Das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der PISA - Studie hat zu einem regelrechten Boom von neuen Produkten am Markt geführt. Aber man muss zwischen Lernprogrammen, Lernpaketen und Wissenspaketen unterscheiden.

Lernprogramme: Hier sind die klassischen CD-Rom-Programme gemeint. Sie sind in den meisten Fällen nur mit Hilfe eines Computers ausführbar. Die meisten Lernhilfen sind heute computergestützte Lernprogramme.

Lernpakete: Lernpakete bestehen aus Büchern, Bastelmaterial, CDs zum anhören sowie CD-Rom-Programme zum selber lernen und sind für alle Altersgruppen sinnvoll. Leider gibt es momentan wenig Lernpakete auf dem Markt. Nach ausführlichem Suchen haben wir nur ein Lernpaket gefunden.

Wissenspakete/Informationspakete: Wissenspakete stellen sich aus größeren Datenmengen, die von einer CD-Rom abrufbar sind zusammen und eignen sich für Schüler der höheren Klassen.

Sucht man gute Lernhilfen so findet man diese in Büchergeschäften, Internetshops, Spielwarenläden und ab und zu sogar in Discountgeschäften. Eine eindeutige Inhaltserklärung ist jedoch selten zu finden und vor allem sind die Angaben für die geeignete Altersgruppe häufig irreführend.

Gibt man die unten aufgeführten Suchwörter in eine Suchmaschine im Internet ein, bekommt man nur bedürftige Resultate, die tatsächlich mit Lernprogrammen für Kinder zu tun haben.

„Lernprogramm“ – Stichwörter wie „Lernsoftware kostenlos“ etc. die dann zu kostenpflichtigen Download Möglichkeiten führen.
„Lernpaket“ – die meisten Suchresultate führen zu Lernpaketen, die mit Experimenten (Physik und Chemie) zu tun haben.
„Lernhilfe“ – Links zu den Homepages der Nachhilfeanbieter
„Lernunterstützung“ – Links zu Unterrichtsmaterial für Lehrer oder Links zu Instituten die Erwachsenenbildung anbieten.
Wir haben einige Lernprogramme innerhalb einer Testgruppe, bestehend aus 4 Kindern im Alter von 15, 13, 11 und 8 sowie aus drei Erwachsenen im Alter von 50, 43 und 27, getestet.
Eine kurze Zusammenfassung der Tests finden Sie weiter unten.

Was die Kindergruppe sehr irritiert hat, ist die Tatsache, dass Verpackungen oft mehr versprechen als was sie beinhalten. Weiter hat sich herausgestellt, dass sich die Kinder nach kürzester Zeit langweilen, wenn sie nur vor dem Computer lernen. Auch inhaltlich waren die Programme eintönig. „Übung macht den Meister“ - das ist klar - doch wenn im Programm dieselben Fragen acht Mal hintereinander gestellt werden, trotz korrekter Antwort, wirkt das Programm demotivierend.

Das für mein Kind geeignete Programm zu finden ist nicht einfach. Lehrer und Nachhilfelehrer, die geeignet wären Empfehlungen für Lernhilfen zu geben, haben weder Interesse noch das richtige Produkt zu empfehlen.

Die testenden Erwachsenen fanden Preisnachlässe von 90 - 100%. Ein Programm wurde mit dem Preis von € 821,10 ausgeschrieben und wird jetzt zu einem Preis von € 3,90 angeboten. Das ist doch dubios und weckt Zweifel an deren Seriosität.

Es wäre sicher sinnvoll Lernhilfen von z. B. Stiftung Warentest testen zu lassen. Die Testgruppe würde es sehr begrüßen, wenn eine Einstufung der Produkte in Bücher, Computerprogramme oder Spielwaren stattfinden würde. Auch eine Einstufung in Alter/Schulklassen ist immer vom Vorteil.

Vielleicht wünscht sich der eine oder andere Schüler ein Lernprogramm zu Weihnachten oder es gibt Eltern, Großeltern, Paten und Freunde die sie gerne verschenken würden.
Doch in den Lernprogrammen stecken leider noch viele qualitative Enttäuschungen.

Wir würden uns sehr über weitere Erfahrungsberichte zu Lernhilfen freuen, denn nicht nur wir sind vom Nutzen eines guten Lernprogramms als Ergänzung zum klassischen Lernen überzeugt, sondern sicherlich noch viele andere Eltern und Schüler.

Testergebnisse zu den Produkten

Produkt 1: Mega Lernpaket 2007
Inhalt: - 35 Spitzenprogramme auf einer DVD (Mathe,
Deutsch, Englisch, Biologie, Chemie, Physik, Erdkunde und Geschichte
Vokabeltrainer: Englisch, Französisch, Spanisch, Neue Dt. Rechtschreibung)
Preis: - 150,- Euro
Alter: - 1. bis 13. Klassenstufe

Gestaltung
Das Programm ist unübersichtlich aufgebaut. Die Übungsaufgaben werden in einer Art Quiz gestaltet, bei dem man Punkte erzielen kann. Da man immer wieder dieselben Fragen gestellt bekommt um am Ende die acht Punkte zu erzielen und man keine Möglichkeit hat Aufgaben zu überspringen, fehlt es an Abwechslung und der Lerneffekt sowie der Spaßfaktor sind fragwürdig.
Da außer der DVD keine weitern Materialien bzw. eine Beschreibung enthalten sind ist es sowohl für die Kinder langweilig, als auch für die Eltern schwierig dem Kind das Programm zu erklären. Der Anspruch, der an das Kind gestellt wird ist nicht sehr hoch, man könnte sagen das Programm ist etwas zu einfach für die Zielgruppe.


Produkt 2: Die große KIKA - ROM Kiste
Inhalt: - 7 CD-ROMs, laut Verpackung schlecht ersichtlich, was Inhalt und wer Zielgruppe
ist
Preis: - 78,- Euro

Gestaltung
Die CDs enthalten Kurzvideos, die die Kinder direkt ansprechen. Die graphische Gestaltung des Programms ist durch viele Farben und gute Animationen gelungen, doch inhaltlich sind einige Dinge zu bemängeln.
Das Programm ist definitiv kein Lernpaket, welches bezweckt den Kindern Lesen, Rechnen, Schreiben usw. spielerisch zu erlernen, eher den Umgang mit dem Computer fördert. Da in der großen Verpackung außer CDs nichts weiter zu finden ist, erfüllt das Programm nicht den Zweck des spielerischen Lernens.
Es sind keine Übungen enthalten, mit denen die Kinder einen Lernerfolg erreichen können. Das Ziel bzw. der Sinn des Programms ist nicht zu erkennen.


Produkt 3: Lernpaket 2007 – Hausaufgaben 5 (Firma Franzis)
Inhalt: - 2 CDs mit 8.000 Hausaufgaben und Referate für Deutsch, Mathematik, Englisch,
Latein, Geografie, Biologie, Chemie
- Musterübersetzungen, Internetlinks für Schüler, Rhetorik, PowerPoint-Vorlagen
Preis: - 147,49 Euro
Alter - 5. bis 13. Klasse

Gestaltung
Das Programm ist kein Lernpaket mit Übungen und Lernmaterialien, sondern eher ein
Informationsprogramm, in dem Informationen und Referate gesammelt sind.
Im Programm gibt es keine Unterteilungen nach Altersklassen, nur nach
Unterrichtsfächern. Es sind zwar Lernkarten auf den CDs enthalten, doch diese muss man
selber auf bestimmtes Papier drucken, was wiederum sehr kostspielig und aufwendig
ist. Sehr positiv zu bemerken sind die PowerPoint-Vorlagen für Schülerpräsentationen,
sowie zahlreiche Internetlinks für Schüler.
Für Schüler der höheren Klassenstufen ist das Programm informativ, für die Kleinen
allerdings sehr langweilig.
Auch hier fehlen zusätzliche Lernmaterialen, die das spielerische Lernen garantieren.


Produkt 4: Verrückt nach Lesen (Schülerhilfe, Hooked On Phonics)
Inhalt: - 2 Audio-CDs, 1 Handbuch für Eltern, 1 Arbeitsbuch, 14 Malhefte, Vokabelkarten, Sticker und Spielbrett
Preis: - 15,- Euro
Alter - Kindergartenalter

Gestaltung
Dieses Produkt ist ein richtiges Lernpaket, welches das Ziel des spielerischen Lernens verfolgt. Es geht hierbei um das Erlernen der Grundlagen des Lesens.
In der Arbeitskiste befinden sich Lernmaterialen für die Kinder sowie ein kleines Handbuch für die Eltern. Die Audio-CDs sprechen die Kinder direkt an und fordern sie zum mitreden auf. Im Arbeitsbuch lernen die Kinder die Schreibweise einfacher Wörter. Zusätzlich können die Kinder mit Vokabelkarten üben. Durch seine Vielseitigkeit ist das Lernpaket spannend und herausfordern sowie kreativitätsfördernd und motivierend zusammengestellt. Die Kinder müssen nicht nur vor dem Bildschirm sitzen, sondern sie können selbst Hand anlegen, sie können malen, hören die Aussprache und werden zum Mitsprechen aufgefordert. Die Inhalte des Lernpaketes sind gut aufeinander abgestimmt und grafisch ansprechend gestaltet. Es ist ein echtes Lernprogramm.

Da tut sich eine neue Baustelle auf. Vieles in diesem Land liegt tatsächlich im Argen. Es ist der Stiftung Warentest zu verdanken, dass sie wieder einmal den Finger auf die Wunde legt und einmal kräftig draufdrückt.

Ich bin gespannt, ob die angesprochenen Bildungsverantwortlichen reagieren und die Empfehlungen der Testredaktion nachkommen. Ein einfaches "Beruhigungspflaster" wird bei der Therapie der Schulbuchkrankheit wohl nicht reichen.

Den Artikel dazu lesen Sie auf:
Köln Nachrichten

Wie wäre es, wenn wir in Deutschland das dreigliedrige Wahlsystem einführen würden? Die Stimme eines Akademikers hätte einen höheren Wert als die Stimmen eines Handwerkers, die wiederum einen höheren Wert als die Stimme einer jungen Hausfrau. Da müssten wir mal sehen, ob dann die Hausfrau überhaupt berechtigt wäre, ihre Stimme abzugeben. Vielleicht würde sie die notwendige Kompetenz zu wählen erst nach einer gezielten Förderung besitzen? Erst dann wäre sie berechtigt ihre Stimme abzugeben. Es klingt absurd – genau so absurd, wie das deutsche dreigliedrige Schulsystem ist.

Ist die Bildungspolitik in Deutschland nicht zu einem Sandkasten der Politiker geworden? Hier können sie sich so richtig austoben. Für sie ist es ein risikofreies Spiel, denn wenn es schief geht, leiden ja nur die Kinder - die bekanntlich nicht wahlberechtigt sind. Es gibt leider nicht nur einen, sondern mehrere Sandkästen. Und die Spielsachen, die darin verwendet werden, sind die Kinder- bekanntlich kann jedoch auf Sand nichts Standfestes gebaut werden.

In letzter Zeit vergeht kaum eine Woche, in der nicht über „PISA“ debattiert wird. Die fenno-skandischen Länder tauchen hierbei als leuchtende Beispiele auf. Obwohl Pisa als Stadt eine der ältesten Universitätsstädte ist, handelt es sich hier nicht um diese Stadt – und das an sich ist schon ein kleiner PISA-Test für sich – sondern um die so genannte PISA-Studie (Programm for International Student Assessment – das Programm für internationale Schulleistungsuntersuchung), die von der OECD in über 30 Ländern durchgeführt wird. Die finnischen Schüler und Schülerinnen schnitten bei diesen Tests am besten ab und landeten auf Platz eins. In Finnland hat man sich über die Ergebnisse gefreut, sich aber nicht unbedingt auf die Schulter geklopft, denn die Tests besagen nicht alles. In Deutschland jedoch löste Platz 20 Katastrophenalarm aus.

Es ist verständlich, dass die Lehrer verbittert und verzweifelt sind. Jeden Morgen aufzustehen und mehr oder weniger niederschmetternde Berichte und Artikel über den eigenen Beruf und Arbeitsplatz zu finden, kann nicht aufmunternd sein. Aber sich internationale Kritik zu verbitten? Sollte nicht Kritik als Anregung gesehen werden? Verbandspräsident Josef Krause ruft sogar dazu auf, es zu überdenken, inwieweit Deutschland noch finanzielle Mittel für die PISA – Studien zur Verfügung stellen will. Der Vorschlag, die PISA – Studien durch die deutsche Lehrerschaft und falls nötig noch durch einige Bildungspolitiker analysieren zu lassen statt von der OECD, klingt eher nach einem Versuch, das Problem unter den Teppich kehren.

„Aus Fehlern kann man lernen“ – oder sollte man wenigstens. Den „Kopf in den Sand stecken“ und meinen, dass Bayern trotz alledem bildungspolitisch zu den besten Bundesländern gehört, bringt leider sehr wenig. Teure „Studienreisen“ in den fenno-skandischen Ländern bringen nur etwas, wenn man bereit ist, die gelernten Veränderungen auch umzusetzen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war am 10.12.2004 zu lesen, dass die guten Testergebnisse Finnlands auf deren Eliteschulen zurückzuführen sind. Nur: In Finnland gibt es keine einzige Eliteschule. Es gibt Schulen, die ausländische Sprachen als Unterrichtssprache führen, wie die Deutsche Schule in Helsinki, aber keine Eliteschulen, wie es die FAZ darstellte. Dass die Kinder Finnlands schnell lesen können oder so gut die englische Sprache beherrschen, weil in Finnland alle ausländischen Filme mit Untertitel versehen sind, ist der wohl sehr naive Versuch einer Erklärung und hat mit der eigentlichen Wahrheit wenig gemein.

Kann man eventuell etwas von Finnland lernen? Die Folge der Studien war ein reges Interesse mit dementsprechend vielen Anfragen bei „Opetushallitus“, dem finnischen Bildungsministerium. Auch Bundesministerin Edelgard Bulmahn nahm sich die Zeit, um das Land zu besuchen. Haben diese Besuche zu Änderungen geführt?

Einige Faktoren des finnischen Bildungssystems sind in der Tat bemerkenswert. In ganz Finnland existiert seit nunmehr rund 30 Jahren die Gesamt- bzw. Einheitsschule, die vom 7. Lebensjahr an von allen Kindern besucht wird. Es gibt keine andere Schulform, sie ist in allen Bundesländern für alle Kinder gleich. Damit ist es weitestgehend auch gelungen, eine soziale und regionale Gleichwertigkeit des Bildungsniveaus herzustellen. Die Schule wird durch eine Examen „Ylioppilastutkinto“ (auf Finnisch) / „Studentexamen“ (auf Schwedisch), das in allen Bundesländern gleich ist, beendet. Dieses Examen berechtigt zum Studium an einer Universität und ist international anerkannt. Zu erwähnen ist, dass in Finnland 60% des Jahrgangs 1989 das „Studentexamen“ (Abitur) in diesem Jahr geschafft haben. In Deutschland waren es nur 28%.

In Finnland bleiben die Kinder neun Jahre im selben Klassenverband. Der Schulbesuch ist kostenlos, so auch mittags die warme Mahlzeit, Lehrmittel und der Transport in die Schule. Auch wenn der soziale Hintergrund der Eltern in Finnland keine Rolle mehr für den Schulbesuch spielt, sind dennoch nicht alle Schüler gleich, sie lernen unterschiedlich schnell und auch in Finnland spielen Verhaltensprobleme eine Rolle. Hier gilt der Grundsatz: Individuell und in Kleingruppen unterrichten statt selektieren. Schulpsychologen und Sonderpädagogen unterstützen diejenigen, die Lernschwierigkeiten haben und sorgen so für Chancengleichheit. Den Schülern ein kritisches Selbstbewusstsein mit auf ihren Lebensweg geben, durch Motivieren statt Demotivieren hat oberste Priorität bei den schulischen Zielsetzungen. Diese Ziele glänzen in Deutschland durch Abwesendheit.

Finnland gehört zu den Ländern, die recht früh mit dem Fremdsprachenunterricht anfangen, mindestens zwei Sprachen werden im Laufe der Gesamtschule gelernt, eine dritte ist auf freiwilliger Basis möglich. Studien haben gezeigt, dass die Fähigkeit eine fremde Sprache zu lernen bis zum neunten Lebensjahr am größten ist.

Den Herausforderungen des Informationszeitalters entsprechend sind darüber hinaus die meisten Schulen großzügig mit moderner Informationstechnologie ausgestattet worden, um auch hier den Schülern das nötige Rüstzeug für ihr späteres Berufsleben vermitteln zu können.

All dies erfordert gut ausgebildete und motivierte Lehrerinnen und Lehrer. Von staatlicher Seite wird hierauf besonders viel Wert gelegt – und die Anforderungen sind hoch. Verlangt werden ein Universitätsstudium mit Magisterabschluss und zusätzlich eine parallel laufende pädagogische und didaktische Ausbildung. Über einen Ansehensverlust können sich finnische Lehrer generell nicht beklagen.

In einem Punkt sind sich alle politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen in Finnland einig: Es lohnt sich, in Bildung und Ausbildung zu investieren. Zurzeit besuchen nach erlangtem Gesamtschulabschluss 90% der Schüler eine weiterbildende Einrichtung, davon 60% die gymnasiale Oberstufe, die anderen eine Berufsschule. Bemerkenswert ist, dass über 90% der Gymnasiasten auch ihren Abschluss erlangen. Nach dem Zentralabitur oder dem beruflichen Abschluss können sich die Studierenden entweder an einer der 20 Universitäten oder an den 30 Fachhochschulen des Landes bewerben. Doch was ist mit denjenigen, die das Abitur nicht schaffen? Welchen Schulabschluss haben sie?

In Finnland betragen die Gesamtausgaben für das Bildungswesen derzeit 7,8% des Bruttoinlandproduktes (der EU-Durchschnitt beträgt 6%). In Deutschland hingegen sind es nur 4,8%. Es ist die wichtigste nationale Ressource, die das Land seinen Bürgern zu bieten hat. Nur durch Investitionen in Humankapital kann das Land im globalen Wettbewerb mithalten, in dem es gerade in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen ist.

Vielleicht sollte man daher genau jetzt in Deutschland
Verbesserungsvorschläge ausarbeiten, statt wertvolle Zeit durch Formulieren irrationaler Gegenargumente zu verlieren?

Wann verstehen wir endlich, dass die Figuren dieses Spiels die Kinder sind? Aber nicht nur die Kinder leiden, sondern auch die Eltern. Wann wird es uns endlich klar, dass die Zukunft dieses Landes in den Händen unserer Kinder liegt – nicht in den Händen der Politiker?

Intelligenzbefreite Argumentationen und Vorschläge der Politiker verbessern das Bildungssystem in Deutschland nicht. Wenn Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer eine Trennung des Unterrichts nach Geschlechtern und einzelnen Fächern vorschlägt– und man davon ausgeht, dass sie diesen Vorschlag tatsächlich ernst meint – dann stellt sich die Frage, ob wirklich eine ernsthafte Überlegung dahinter steckt oder ob es sich eher um einen halbherzigen und undurchdachten Lösungsvorschlag handelt, um gefordertes Engagment zu zeigen.

Die Schuld immer bei den Anderen zu suchen ist eine menschliche Reaktion aber führt nicht zur Lösung des Problems. Wie so oft ist die beste Lösung in der Natur der Sache zu finden. Kinder entwickeln sich genauso unterschiedlich wie sie alle sind. Die Lösung des Problems finden wir also in einem Schulsystem, das diese Entwicklungsunterschiede erlaubt. Und vor allem – lassen wir doch Kinder auch Kinder sein!

Auf der Website der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main findet sich eine Stellungnahme gegen die fortschreitende Ökonomisierung des Bildungssystems, welche von den Erziehungswissenschaftlern Andreas Gruschka, Ulrich Herrmann, Frank-Olaf Radtke, Udo Rauin, Jörg Ruhloff, Horst Rumpf und Michael Winkler unterzeichnet wurde:
 
Fünf Einsprüche gegen die technokratische Umsteuerung des Bildungswesens

Wir laden ein zu einer Zusammenkunft von Erziehungswissenschaftlerinnen und Pädagogen am
Montag, dem 10. Oktober 2005, 12.30-17 Uhr,
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Campus Bockenheim, Mertonstraße, Hörsaal IV
Bei dieser Gelegenheit sollen die folgenden fünf Einsprüche erläutert, diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
  1. Wir wenden uns gegen die Illusionen einer alle politischen Parteien übergreifenden Bildungspolitik, die das Bildungssystem nach betriebswirtschaftlichen Mustern in den Griff zu bekommen sucht.
  2. Wir widersprechen der völlig irreführenden Behauptung, bei der gegenwärtigen Umorganisation der Bildungsinstitutionen gehe es um mehr Autonomie von Schulen und Hochschulen.
  3. Wir halten es für einen folgenschweren Irrtum, wenn behauptet wird, Erziehungswissenschaft erfülle ihren öffentlichen Auftrag nur dann, wenn sie unmittelbar verfügbare und kurzfristig nutzbare Ergebnisse für Politik und Praxis zeitige.
  4. Wir protestieren gegen die weitere Aushöhlung von universitären Studiengängen - insbesondere auch in der Lehrerausbildung - durch ihre zunehmende Verschulung.
  5. Wir bezweifeln die vorherrschende Meinung, die Festlegung und Durchsetzung von Leistungsstandards zur Überprüfung von Basiskompetenzen sei ein geeignetes Mittel, um der demokratischen Forderung nach größtmöglicher Gleichheit der Bildungschancen Genüge zu tun.
Aufruf und die fünf Thesen ausführlich als PDF.

Die FAZ kommentiert hierzu:
Ausgestattet mit einem ausgeprägten historischen Bewußtsein, hätten es vielleicht mehr Hochschullehrer gewagt, an die Verantwortung der Schulen und Hochschulen für die Entwicklung selbständig denkender und urteilender Menschen zu erinnern. Denn sie müßten durch das hörige Mitläufertum vieler ihrer Amtsvorgänger im vergangenen Jahrhundert gewarnt sein. Heutzutage riskiert kein Professor seine Existenz, wenn er Kritik nicht nur äußert, sondern sich dem kurzatmigen, ministeriell verordneten Reformaktivismus widersetzt.

Eine aktionORANGE ist eine im zweijährigen Rhythmus in Brandenburg auftretende Erscheinung, die durch die Debatte um den Landesetat ausgelöst wird. Bisher endemisch, Ausbreitung auf andere Bundesländer wahrscheinlich, insbesondere Berlin.
Als Überschrift für alle Protestaktionen wird die bereits im öffentlichen Bewusstsein verankerte und mit Protest und Widerstand verbundene Wortmarke aktionORANGE verwendet. Zusätzlich als Zeichen eingeführt wird die Mohrrübe als einheimisches Gemüse mit vielen gesunden Inhaltsstoffen.
Die revolutionORANGE in der Ukraine ist davon unabhängig, möglicherweise aber nicht zufällig in der gleichen Farbe erschienen.

Das deutsche Bildungssystem verhindert durch seine Kostenverteilung, dass Kinder aus sozial schwachen Familien eine höhere Bildung erhalten. Dies ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Während die Kosten der Schulausbildung zu 19 Prozent, die eines Studiums gar zu 49 Prozent privat von Studenten oder Eltern finanziert werden müssen, beträgt dieser Anteil bei der Berufsausbildung nur vier Prozent. Wenn ein Kind also nach der Sekundarstufe I eine Berufsausbildung beginnt, entstehen den Eltern durch die geringeren Lebenshaltungskosten für das Kind und das Kindergeld, das sie trotzdem erhalten, hohe finanzielle Vorteile. Dies verhindert aber einen stärkeren Zugang einkommensschwacher Schichten zu weiterführender Bildung, zunächst zur gymnasialen Oberstufe, warnte das FiBS. Die Einführung von Studiengebühren, auch in Form von Gutscheinen, sei deshalb kontraproduktiv. Im Gegenteil müsse gerade für bildungsferne Schichten der Zugang zu Kindertagesstätten, gymnasialer Oberstufe und Hochschule stärker gefördert werden.

Das FiBS hatte im Auftrag des Bundesbildungsministeriums die gesamten Ausgaben für Bildung und deren Finanzierung betrachtet. Die Studie räumt mit einigen verbreiteten Vorurteilen auf: Die Berufsausbildung beispielsweise wird nicht überwiegend durch die ausbildenden Betriebe, sondern zu zwei Dritteln durch den Staat finanziert. Der Anteil der Unternehmen beträgt nur 31 Prozent, die privaten Haushalte zahlen vier Prozent.

Dagegen ist ein Studium für die Studierenden bzw. ihre Eltern keineswegs kostenlos: Nur 51 Prozent der Kosten zahlt der Staat, den Rest müssen die Familien selbst aufbringen. "Damit ist das in Deutschland gängige Vorurteil eines kostenlosen Studiums endgültig widerlegt", fassen die Forscher zusammen.
Weiterlesen bei ngo-online [via Genosse Tabu]

Eine Interessante Verknüpfung der Themen globalisierte Wettbewerbsfähigkeit, Bildung und Patriotismus findet sich bei Telepolis unter Schufte und verzichte - für das deutsche Vaterland
von Rudolf Maresch am 01.12.2003

"Aufgeklärter Patriotismus" soll die Deutschland AG aufmöbeln und wieder zur Lokomotive Europas machen

Der Artikel bezieht sich direkt auf die Studie Bildung neu denken, siehe dazu auch Bayerische Wirtschaft: Schon Vierjährige sollen in die Schule.
[via Telepolis ]

"In Deutschland gab es in den letzten Jahren keine aus Bildung erklärbaren Zuwächse an Produktivität" sagte Andreas Schleicher, der Bildungsstatistiker und Pisa-Koordinator der OECD, heute bei der Vorstellung der neuen OECD-Bildungsstudie. Die komplette Studie gibt es Online direkt bei der OECD.

Ein persönliches Wort von mir zu den Hochschulen in Deutschland:
Das sind reine Menschenvernichtungsmaschinen. Borniert, langweilig, lebensfern und vollkommen ineffizient und chaotisch organisiert. Ein Absolvent (wenn er es denn schafft) ist in Deutschland so um die dreissig Jahre alt. Jenseits seines hochkreativen und motivierten Alters. In einem Alter, wo in anderen Ländern Karrieren auf dem beginnenden Höhepunkt sind. Das ist ein absolutes Armutszeugnis. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer auch hier die Regel. Sorry für die überdeutlichen Worte.
[Weiter bei jimmiz.: Bildungsvernichtung]

An Interview with Peter McLaren: "I think it is important to understand that we cannot treat the media as some kind of autonomous entity. Media sectors interpenetrate in various ways, but overall the media are overwhelmingly structured by the state and function, by and large, to service the interests of capital. I would begin by arguing that the current commercialization of broadcasting actually substantially undercuts public systems of communication. Public systems of communication are really at the mercy of the market. Today, it appears as if the hypertrophy of financial capital has become the functional grid in which media economies are secured." (weiter bei Zmag.org)

Sonderlich neu sind die Zahlen nicht, sie lagen auch sogar schon einmal höher. Weniger alarmierend ist der Befund deshalb aber noch lange nicht.
(SZ vom 07.03.03) - Wenn mehr als ein Viertel der Studenten ihr Studium abbrechen, stellt das dem deutschen Hochschulsystem ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Und das nicht nur, weil an den ebenso überlasteten wie unterfinanzierten Hochschulen wertvolle Kapazitäten vergeudet werden.
[Weiterlesen bei der Süddeutschen]


 
 
 
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