BildungsBlog
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Jetzt studiere ich schon viel zu lange Pädagogik, und kann diese Frage immer noch nicht treffend beantworten. Und schon gar nicht mal in einem Satz. Daher hier der Versuch, genau das zu leisten:

Die modern-traditionelle Pädagogik würde vielleicht sagen, Erziehung ist das Werk einer dem Zögling ohnehin schon inhärenten Finalität. "Der Mensch solle sich zu dem ausformen, was ihm zugedacht ist" oder so ähnlich(Flitner?). Das funktioniert aber in postmodernen Gesellschaften bereits nicht mehr, da Menschen heterogene Wesen sind.

Kant würde vielleicht sagen, Erziehung ist die Heranführung eines Subjekts zur Mündigkeit. Oder zu dem, was die Gesellschaft jeweils dafür hält. Der Vorteil ist ein normgerechtes Verhalten wenn es denn klappt.

Vielleicht könnte man auch sagen, Erziehung geschieht um Menschen für ihr Handeln verantwortlich zu machen. Und die Folge ist, dass man nun jedem den man für mündig erklärt hat auch für seine Handlungen, inklusive seines eventuellen Scheiterns, verantwortlich machen kann. Die Liberalen bedienen sich noch heute solcher Vorstellungen.

Foucault wäre vielleicht der Ansicht, Erziehung sei dazu da, die Spielregeln der Herrschaft in die Subjekte einzuschreiben, und sie erst hierdurch zu unterwerfen und kontrollierbar zu machen. Erziehung als Exekutive eines Machtsystems.

Systemtheoretisch könnte man vielleicht nach Luhmann sagen, Erziehung diene lediglich dem Zwecke, die Bevölkerung für das ökonomische System zu differenzieren.

Konstruktivisten hingegen würden den Sinn und Zweck von Erziehung vielleicht viel mehr darin sehen, einem Menschen möglichst viele potentielle Anschlusshandlungen an eine gegebene Situation bereit zu stellen.

Zusammenfassend findet man dann in der pädagogischen Literatur meist solche sinnleeren Aussagen im Stile von: Erziehung ist die Summe der Reaktionen einer Gesellschaft auf die Erziehunstatsache. (Bernfeld)

Nur: Wer hat nun Recht? Welche Aussage hat den meisten Sinn? Und habe ich die möglichen Positionen überhaupt richtig wieder gegeben in dieser Kürze?

Kommentare:

# pfm schrieb am 26. Okt, 11:46:
Das Definitionsnetz gemeinsam stricken
Lieber Stephan,

Du hast in Deinen Definitionen (mit einer einzigen kommt man bei diesem Thema wohl nicht hin) schon so viele verschiedene Perspektiven anklingen lassen, dass ich vorschlagen möchte, diese weiter auszubauen:

In der Wikipedia gibt es einen sehr dürftigen Eintrag zum Thema Erziehung: http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehung - wenn Du schon Deine bisherigen Ausführungen dort hinzufügen würdest, wäre a) der Wikipedia-Eintrag enorm aufgewertet und b) könnten mehrere Autoren die einzelnen Gedankengänge fortführen.

Du siehst, auch ich wirke gerade erzieherisch ;-)

Besten Gruss aus Zürich
Peter 
# Kossatsch schrieb am 26. Okt, 19:25:
Erst haha, dann aha. Oder über die Kunst, zufällig eine Sache zufällig an zwei Stellen wiederzufinden.
BTW, mein Wissenschaftsverständnis - Wissenschaft hat ja im Normalfall eher weniger praktische Bedeutung - hat mich dazu gebracht, Definitionen hinzunehmen, kritisch zu hinterfragen und möglichst kreativ für den eigenen Verständnis- und Praxisprozess gedanklich umzusetzen. 
# msd schrieb am 29. Okt, 11:05:
Wenn es DAS ist, was unseren angehenden Pädagogen (heute immer noch) beigebracht wird, brauche ich mich über so manche Auswüchse unserer Gesellschaft wirklich nicht mehr zu wundern.

Warum nicht:
"Erziehung ist die liebevolle Vorbereitung/Begleitung eines jungen Menschen, damit er in seinem Leben möglichst gut in und mit der Gesellschaft zurechtkommt."

Matthias 
# shiny (Gast) schrieb am 17. Mrz, 13:30:
wie schon das wort pädagogik sagt, erziehung bedeutet einen menschen bis hin zum alter zu begleiten an dem er selbständig handelt(menschen haben die norm festgellegt den vormund zu tragen bis zum 18 lebensjahr, sodass er ab diesen zeitpunkt selbstständig sein sollte.....)bis hier hin ist es ja klar. erziehung bedeutet als pädagoge einen heranwachsenden in die gesellschaft zu intigrieren und ihm zu lehren was der festgellegten norm entspricht und trotzdem den sinn vom freien denken aufrechterhält. 

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