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PLATOS HÖHLENGLEICHNIS
So wie die Menschen in der Höhle, in Platos Gleichnis, von Kindheit an, immer nur auf die Schatten an der Wand vor ihnen starren, die von Gegenständen erzeugt werden, die hinter ihrem Rücken bewegt werden und diese Schatten mit der Realität verwechseln, so verwechseln wir die Schatten in unseren Köpfen, in Form von Gedanken und Konzepten mit der Realität. Im Gleichnis brennt hinter den Menschen ein Feuer. Zwischen ihrem Rücken und dem Feuer befindet sich eine andere Wand, hinter der die Objekte bewegt werden und über die sie hinausragen. Das Licht des Feuers erzeugt die Schatten und projiziert sie auf die Wand vor ihnen. Von Kindheit an sind die Köpfe und Körper der Menschen so fixiert worden, dass sie nur in die Richtung der vorderen Wand vor ihnen starren können.
Besser kann man nicht beschreiben, was wir heute immer noch jeder neuen Generation von Kindern antun. Genauso fixieren wir ihren Blick, ihre Aufmerksamkeit, auf die Schatten in ihren Köpfen, im Verstand. Diese Schatten in Form von Gedanken, Ideen, Glaubens/ Vorstellungen, Lehrmeinungen und Konzepten aller Art haben absolut nichts mit der Realität des Lebens zu tun. Im Gleichnis werden sie durch die hinter der hinteren Mauer bewegten Objekte hervorgerufen, auf die das Licht des Feuers fällt. Diese Objekte entsprechen unseren Programmierungen und Konditionierungen durch Eltern, Familie, Schule, Gesellschaft, Religion und Kultur. Wir sind uns dessen nicht bewusst. Deshalb benutzt Plato das Bild der Objekte, die hinter einer Mauer bewegt werden. Das Licht des Feuers in der Höhle ist lediglich der schwache Abglanz des Sonnenlichts. Die Energie des Feuers ist gespeicherte Sonnenenergie, die beim Verbrennen wieder frei wird. Mithilfe des Sonnenlichts kann man bekanntlich auch direkt ein Feuer entzünden und sich auch daran verbrennen. Die Höhle ist der Verstand bzw. seine physische Basis das Gehirn.
Menschen, die angestrengt über etwas nachdenken oder grübeln, kriegen diesen starren Blick, als würden sie auf eine imaginäre Wand vor ihnen starren. Unsere Konditionierung ist derart, dass wir davor eine gewisse Ehrfurcht und Respekt haben. Es erinnert uns an die vermeintliche Grösse des menschlichen, "unseres" Denkens. Uns Deutsche speziell daran, Teil eines Volkes der Dichter und Denker zu sein, wie wir uns gerne selber stolz einschätzen. Andere Völker stehen den Deutschen da aber sicher in nichts nach.
Menschen dagegen, die Abschalten, wie es der Volksmund nennt und in den formlosen grenzenlosen stillen Raum in ihrem Inneren eintauchen, haben oft dieses rätselhafte Mona Lisa Lächeln, welches der Verstand seit Jahrhunderten vergeblich zu ergründen und zu verstehen versucht. Es ist das unergründliche Lächeln der “Buddhas“. Derer, die in sich selbst, in ihrer Mitte und Kraft ruhen. Ein Lächeln, welches so unergründlich wie das Leben selbst, durch die Augen strahlt und vom gesamten Gesicht widergespiegelt wird. Es spiegelt das universelle Licht des Lebens in voller Intensität wieder. Wie das gespeicherte Licht der Sonne im Holz beim Verbrennen im Feuer wieder frei wird, so wird das universelle Licht des bewussten Seins oder des Lebens wieder frei und strahlt nach außen, wenn alle Gedanken im Verstand „verbrennen“! Sobald die durch Erziehung und Bildung erzwungene Fixierung unserer Aufmerksamkeit auf den Verstand und seine Inhalte aufhört, kann das Licht des Lebens ganz spontan und natürlich wieder durchscheinen. Von Menschen, die es ausstrahlen, geht eine unbeschreibliche Faszination aus. Selbst von einem gemalten Portrait kann diese Faszination ausgehen, wenn Künstler die Fähigkeiten besitzen, es zu manifestieren. Nur jemand, der dieses Lächeln in sich trägt, kann es auch malen.
Wenn man nun jemanden aus der für ihn scheinbaren Realität in der Höhle, heraus an das Tageslicht, dem Licht der Sonne holt, wird er erst einmal nichts sehen und vollkommen geblendet, verwirrt und erschrocken sein. Langsam wird er sich an das Licht gewöhnen und erkennen, das er in einer Scheinwelt gelebt hat. Dass die Schatten an der Wand nur ein Spiel des Lichts sind, wenn es auf Objekte fällt. Im Licht der Realität allen Seins sind auch Objekte außerhalb der Höhle nur Schatten. Das sollte beim Lesen des Gleichnisses nicht übersehen werden. Sie sind lediglich Form gewordenes, formloses Sein und stehen in diesem Gleichnis nicht für eine höhere, gedachte Realität. Es geht in diesem Gleichnis nicht darum, dem Verstand eine Rechtfertigung für seine vermeintlich besseren, richtigeren Konzepte an die Hand zu geben, sondern seinen durch und durch illusorischen Charakter zu enttarnen.
Wenn derjenige, der die Wahrheit außerhalb der Höhle als das Licht der Sonne erblickt hat, zu den anderen in der Höhle gebliebenen, zurückkehrt und ihnen darüber berichtet, werden sie ihm wahrscheinlich nicht glauben. Ihn für verrückt erklären. Ignorieren oder versuchen ihn zum Schweigen zu bringen. Wenn nötig mit Gewalt!
Der Verstand kennt keine Skrupel, wenn es darum geht, seine illusorische Existenz und damit das Überleben der Pseudo-Identität, einer getrennten individuellen Ego-Persönlichkeit, eines Schattendaseins zu sichern. “Dem trüben Gast auf der dunklen Erde" wie Goethe es treffend nannte.
Die Sonne steht für den Urgrund allen Seienden. Von allem, was existiert. Für das, was Plato in einem anderen Gleichnis, dem Sonnengleichnis, das “Gute“ nennt. Diese Qualität ist kein vom Verstand erschaffenes moralisches Konzept, sondern nur ein möglicher Name, der für das reine, formlose, sich seiner selbst bewusste Sein steht. Erst dieses Licht, ermöglicht es, die Welt der Objekte mittels der Sinne wahrzunehmen. Erst dieses Licht verleiht den Objekten Leben und Realität. So wie das Licht der Sonne Leben auf der Erde erst möglich macht, es mittels Photosynthese erst entsteht und wächst, so gäbe es ohne die Qualität, die Plato das Gute nennt und damit sicherlich keinen moralischen Massstab meint, sondern den Urgrund allen Seienden, überhaupt keine Welt der Objekte. Inklusive der, mit denen wir uns fälschlicherweise identifizieren. Körper und Verstand. Heute nennen wir dieses Licht Bewusstsein. Plato führt weiter aus, dass reine Vernunfterkenntnis und Wahrheit gut sind, aber nicht das eigentlich höchste Gute. Das Wesen des eigentlich Guten ist weit höher zu schätzen.

Mandiro Sluet

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