AMOKLAUF SCHULE
Unsere modernen westlichen Gesellschaften berufen sich alle auf das antike Griechenland. Es gilt als die Wiege von Demokratie und Logik, die anstelle von Religion und Glauben, die sprachliche Artikulation der Vernunft und die Wissenschaften hervorgebracht hat. Wir sehen immer nur die Vorteile, welche uns diese Ausrichtung gebracht hat. Die elementaren, lebensbedrohenden Nachteile werden bis heute übersehen, weil es dafür an der nötigen Bewusstheit und Intelligenz fehlt. Diese Gesellschaft ist im Umgang mit ihren Kindern und Jugendlichen zutiefst unbewusst, dumpf und gewalttätig!
Im antiken Griechenland gab es jedoch schon Stimmen, die vor den, unsere Existenz bedrohenden Gefahren, einer einseitigen Ausrichtung auf den Verstand und intellektuelle Fähigkeiten gewarnt haben. Freilich nicht mit den Mitteln der Logik des Verstandes sondern mit denen der Metapher. Den Mitteln von Poesie und Dichtung. Um diese Botschaften verstehen zu können, sind der Verstand und seine Logik vollkommen inkompetent und impotent. Dazu braucht es existenzielle Qualitäten von mehr Bewusstheit und Intuition! Der folgende Text enthält Auszüge aus einer bisher unveröffentlichten Arbeit über das elementare Wissen über Erziehung und Bildung im antiken Griechenland, welches insbesondere in der Minotaurussage literarisch dokumentiert ist.
Erstaunlicherweise scheint niemand zu erkennen, wo die Nachteile und Gefahren einer einseitigen Ausrichtung auf den Intellekt und die Logik des Verstandes liegen.
Unbeirrt setzen wir in Bildung, Ausbildung und in der Gestaltung unseres beruflichen und privaten Lebens primär intellektuelle Schwerpunkte. Leben hauptsächlich ”im“ und verlassen uns fast ausschließlich ”auf“ den Verstand!
Welche Schüler lernen in der Schule schon etwas über sich selbst, über das Subjekt? Etwas darüber, womit sie dem wachsenden Ansturm an Anforderungen und Herausforderungen in Schule, Beruf und Privatleben gewachsen sind. Dem Gefühls- und Gedankenchaos in der Pubertät und im weiteren Leben. In Beziehungsproblemen und den dramatischen Veränderungen in den sozialen und globalen Strukturen unserer modernen Welt. Ganz zu schweigen darüber, wie sie nicht von der ununterbrochenen Flut an Informationen in Form von Worten, Konzepten, Klängen und Bildern, die permanent und überall auf sie einströmen, überflutet und ausgebrannt werden! Der Druck der Gesellschaft auf jeden Einzelnen, in Form von durch die vorherrschenden Konditionierungen bestimmten Forderungen, Erwartungen und einer permanenten Flut an Informationen und Reizen aller Art, führt immer häufiger zum “Burnout“. Zum totalen Verlust der eigenen Integrität, der Treue zu sich selbst. Wie bleibe ich mir selbst treu? Wie bleibe ich in meiner Mitte und Kraft? Was ist eigentlich meine Mitte? Wer bin ich?
Darüber, über sich selbst, das Subjekt, lernen Kinder und Jugendliche absolut nichts! Das ist jedoch viel wichtiger als alles objektive Faktenwissen über die Welt der Objekte, einschließlich unser Körpers und des Verstandes. Auch Gedanken haben eine Form und bewegen sich, sind also Objekte. Das, was sie wahrnimmt, ist formloses Bewusstsein, das Subjekt, ohne welches wir nicht einmal um unsere eigene Existenz wüssten. Darüber lernt kein Kind etwas in unseren Schulen, obwohl es existenziell wichtig ist, um aus der eigenen Mitte und Stärke heraus, allen Herausforderungen des Lebens gelassen und entspannt begegnen zu können! Vermittelt wird nur aus der Sicht des Verstandes als „nützlich“ angesehenes, objektives Wissen. Das Wissen über die objektive Welt, die Welt der Objekte. Ganz gemäss dem immer noch vorherrschenden Glaubens-Dogma, nach der „Ich“ ein Objekt bin! Über sich selbst, das Subjekt, erfahren Kinder absolut nichts! Ganz einfach, weil es darüber, in unserer “Informationsgesellschaft“ absolut kein Wissen gibt!
Gleich zu Beginn ihres Eintritts in den Schul- und Bildungsbetrieb werden unsere Kinder, meistens vom Rektor der Schule persönlich, suggestiv mit der auf den allgemein vorherrschenden Konditionierungen des Verstandes beruhenden Glaubens-Formel begrüßt “Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“
Die Botschaft ist klar! So, ab jetzt dürft ihr keine Freude, keinen Spaß mehr am Lernen haben, so wie bisher. Lernen ist eine ernste Angelegenheit. Da muss man sich gewaltig anstrengen! Spielerisches Lernen, so wie bisher ist „Kinderkram.“ Dummes Zeug. Ihr müsst das schleunigst vergessen. Gemäß der Logik des Erwachsenen-Verstandes wird ab jetzt von ihnen verlangt, ihr „So Sein“ zu verleugnen. Alle ihre natürlichen Neigungen, Interessen und Verhaltensweisen zu unterdrücken. Sie als etwas Falsches zu bewerten und sich der Logik und den Zielen des Erwachsenen-Verstandes bedingungslos unterzuordnen! Ab jetzt dürfen sie nicht mehr spontan dem folgen, was ihre Aufmerksamkeit auf natürliche Weise anzieht. Ab sofort bestimmt der Erwachsenen-Verstand, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten dürfen und worauf nicht! Was wichtig für sie ist und was nicht! Jeder der weiterhin seinen natürlichen Impulsen, seiner lebendigen, begeisterungsfähigen Neugier auf alles im Leben folgen will, was seine Aufmerksamkeit ganz natürlich anzieht, wird als falsch, dumm und minderwertig hingestellt und in einen Konflikt mit sich selbst und dem “System“ gestürzt. So wird jede Freude am Lernen abrupt und meist vollständig unterdrückt und abgetötet! Mit dem Frust, dem immensen Druck und der Aggression, die aus dieser unnatürlichen Situation erwächst, werden die Kinder und Jugendlichen dann alleine gelassen. Der Erwachsenen-Verstand macht sie obendrein sogar selbst dafür verantwortlich. Insbesondere für die Folgen! Wenn der ungeheure Frust und der Druck aus ihnen herausplatzen. Sich in Aggressionen, Verweigerung, Desinteresse, Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Drogenkonsum Aggression, und offener Gewalt bis hin zu Amokläufen einzelner Schüler an unseren Schulen und Gewaltphänomenen Jugendlicher im öffentlichen Raum manifestieren. Der ignorante Erwachsenen-Verstand schiebt dann den Kindern und Jugendlichen oder dem ”System“ den Schwarzen Peter zu, den er selbst verdient!
Seine ganze Bildung besteht darin, sich einzubilden, besser als das Leben zu wissen, wie lernen geschieht und welche Lerninhalte für jedes einzelne Kind wirklich wichtig und für seine Entwicklung förderlich sind. Das aber kann alleine jedes Kind nur selbst wissen! Intuitiv und nicht primär mit dem Verstand! Jedes Kind weiss intuitiv, was gut für es ist, weil es noch mit der natürlichen Intelligenz in sich selbst in Berührung ist. In der Schule lernt es nur, diesem natürlichen Wissen darüber, was gut und richtig für es ist, nicht mehr zu vertrauen und als falsch zu bewerten. Sich von der natürlichen, allem Lebendigen innewohnenden Intelligenz abzuwenden, um fortan nur noch der antrainierten Intelligenz des Intellektes zu vertrauen, die in IQ gemessen werden kann und lediglich ein Messwert für das Speichern, Abrufen und mehr oder weniger intelligente verknüpfen von Daten ist. Mit der Propaganda-Lüge, dass jetzt der “Ernst des Lebens“ beginnt, beginnt in Wahrheit das Drama unseres vom Verstand beherrschten und tyrannisierten Lebens. Ihm fehlt aber die nötige Intelligenz und Kreativität, um sich überhaupt eine andere, als seine virtuelle, künstlich erschaffene Realität vorzustellen, die er mit der authentischen Realität des Lebens verwechselt und die er Kindern und Jugendlichen oder anderen Kulturen und Völkern aufzwingt und gewaltsam überstülpt. Die zutiefst unbewusste politische und pädagogische “Intelligenz“ in diesem Land ist unfähig, das Ausmass an Zerstörung zu erkennen, welches unsere Art Erziehung, Bildung und Ausbildung zu betreiben erzeugt. Unfähig, den gewaltigen Druck wahrzunehmen, der dadurch in jedem Individuum erzeugt wird und unfähig, die Auswirkungen auf die physische, psychische und soziale Gesundheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu erkennen! Niemand scheint den Zusammenhang zwischen der Gewalt, die jedem Kind in unserer Gesellschaft und insbesondere in unseren Schulen angetan wird und den mannigfaltigen Formen der Gewalt in unserer Gesellschaft zu verstehen. Von subtilen Ausdrucksformen psychologischer Gewalt, wie etwa Mobbing, Rücksichtlosigkeit, Respektlosigkeit, dem Willen andere zu dominieren, zu beherrschen, zu manipulieren und auszubeuten, bis hin zu offener physischer Gewalt.
Kinder und Jugendliche hören ständig, was alles an ihnen falsch ist und wie sie zu sein haben. Was sie tun dürfen und was nicht. Deswegen müssen sie ihr “so sein“, wie sie von Natur aus sind, verstecken. Sie sind gezwungen es zu unterdrücken, um in dieser Gesellschaft akzeptiert zu werden. Sie werden korrumpiert und fangen an, sich selbst zu verleugnen und Masken zu tragen, um das OK der Erwachsenenwelt zu bekommen. Dies ist der Beginn des Selbsthasses und eines fatalen inneren Konfliktes mit sich selbst. Kinder werden gezwungen, sich von nun an ständig selbst zu verleugnen, dürfen nicht sie selbst sein. Werden gezwungen, eine Rolle im Leben zu spielen. Masken zu tragen, um ihr wahres Gesicht zu verbergen. Das ist ein völlig unnatürlicher Zustand, der enormen inneren Druck, große innere Spannung und einen inneren Konflikt erzeugt, an dem alle leiden und viele zerbrechen. Diese Entfremdung von sich selbst geschieht sehr subtil. Nicht nur in Form von eindeutiger Kritik und Verboten. Ständig hören Kinder von ihren Eltern, Lehrern und anderen Erwachsenen, Sätze wie: „Neiiiiinnnn... lass das!. Hör auf damit! Du sollst das nicht! Was fällt dir ein? Wieso tust du das?. Hab ich dir nicht gesagt, du sollst das sein lassen? Ich habe dir schon tausendmal gesagt ...! Es ist zum Verzweifeln mit dir! Was sollen wir nur mit dir machen! Und so weiter! Und so weiter! Eltern und Lehrer sind sich nicht bewusst, was sie damit im Kind anrichten. Sie meinen es sicher gut, aber nach und nach fängt jedes Kind an, verunsichert zu werden und zu empfinden, das irgendetwas mit ihm nicht stimmt. Alles was es macht, ist ständig falsch. Ständig nörgelt irgendwer an ihm herum oder kritisiert es offen für das, was er macht. In den Schulen und Kirchen dürfen sie nicht herumlaufen und alles erkunden. Dürfen keinen Spass haben und sich frei und sicher fühlen. Sie werden still gestellt, erstarren und dürfen nur steif herumsitzen. Bloß nicht die Erwachsenen und ihr heiliges Treiben stören. Es ist ein schleichendes Gift. Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle Versagensängste, Selbstzweifel, die Unfähigkeit sich selbst so zu akzeptieren und zu lieben, wie man ist, sind die Folge. Jemand, der sich selbst nicht akzeptieren und lieben kann, so wie er tatsächlich ist, sondern nur seine antrainierten Vorstellungen über sich selbst im Verstand, dem ist es auch unmöglich, andere zu akzeptieren und zu lieben. Innere Zerrissenheit und Kritiksucht sind die Symptome dieser Krankheit. Kinder und Jugendliche lernen so, sich selbst ständig zu kritisieren. Alles zu hinterfragen, was sie denken, sagen und tun. Jede Spontanität, Natürlichkeit, Unbekümmertheit und Authentizität geht verloren. Alles wird berechnend und bewertend. Dieses Verhalten wird natürlich auch auf die anderen projiziert. Kinder werden so dazu verdammt, ständig alles und jeden kritisieren, be- und verurteilen zu müssen. Wie soll so ein friedliches Miteinander der Menschen, Völker und Kulturen möglich sein? Es ist unmöglich! So sehr der gebildete, clevere Sach-Verstand, all die “Experten“ auch nach Lösungen suchen mögen!
Es ist unmöglich etwas anderes zu sein, als man ist. Als natürliche Folge davon, dass jede Gesellschaft genau das von jedem einzelnen Kind fordert, leben wir alle in innerer Zerrissenheit und im ewigen Kampf gegeneinander. Jeder Einzelne zwischen dem Bild von sich, wie er gerne sein möchte und sich sieht und wie er tatsächlich von Natur aus ist. Der Riss und Kampf geht weiter in den Beziehungen von Männern und Frauen, dem Kampf der politischen und religiösen Parteien, Staaten, Blöcken, Bündnissen und Kulturen. Kinder übernehmen früh die Klischees, die Konditionierungen der Erwachsenenwelt und versuchen so zu werden wie diese es suggerieren, anstatt so zu sein, wie sie von Natur aus sind. Sie haben keine andere Wahl! Sie werden vergewaltigt! Ihre Würde und Souveränität wird mit Füssen getreten. Sie werden von den Eltern und der Gesellschaft als deren Eigentum betrachtet und so behandelt.
Vom griechischen Wort “Persona“, leiten sich unsere heutigen Wörter Person und Persönlichkeit ab. Persona war die Bezeichnung für Maske. Am griechischen Theater trugen die Schauspieler Masken, welche ihre Rolle charakterisiert. Sie diente auch als Schallverstärker. Das Wort Persona leitet sich vom lateinischen Wort “personare“ ab, was hindurchtönen bedeutet.
Unsere ganze Erziehung und Bildung zielt darauf ab, Kindern eine Persona, eine Maske überzustülpen. Hinter dem schön tönenden Wort “Persönlichkeitsentwicklung“, verbirgt sich diese hässliche Wahrheit! Diese Maske hat nichts mit ihrer Individualität, ihrer Einzigartigkeit zu tun. Diese Maske charakterisiert nicht sie selbst, ihre wahre Natur, sondern die aufgesetzte Rolle, welche die Gesellschaft sie zwingt zu spielen.
Wenn überhaupt, dann kann ihre wahre Identität nur noch durch diese Maske “tönen“, sprechen.
Das ist die hässliche Wahrheit über unser Erziehungs- und Bildungssystem für unsere Kinder! Es stürzt sie in einen schweren inneren Konflikt mit sich selbst und allen anderen,
mit fatalen Folgen!
Wer sich dieser Tyrannei widersetzt und nicht korrumpieren lässt, wird als falsch abgestempelt. Diejenigen, deren Integrität durch dieses Tyrannei zerstört wurde, gar mit Begriffen wie Versager, Arbeitsunwillige, Asoziale, Schmarotzer, Unterklasse und Ähnliches abgestempelt. Sie werden stigmatisiert und abgewertet! Minderwertiges Leben, weil es nicht der Norm entspricht. “Nur wer arbeitet, ist etwas Wert“! Dieses unausgesprochene Motto steht am Tor zur Gesellschaft und “begrüsst“ jedes Kind bei Eintritt ins Leben und in sein späteres Schuldasein und Arbeitsleben! Es ist zynisch und lebensverachtend, so wie das Motto “Arbeit macht frei“, welches diejenigen empfing, die durch das Tor am Eingang der Lager, zu ihrer Vernichtung schreiten mussten. Es ist ein gewagter Vergleich. Ein Tabubruch in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Aber ich mache ihn ganz bewusst. Es ist keine Herabwürdigung der Opfer des Naziregimes. Tabus sind einer der cleveren Strategien des Verstandes, um seine Inkompetenz und Impotenz in Bezug darauf, elementare Zusammenhänge des Lebens verstehen zu können, zu verbergen. Sie sind Teil des Schutzschildes, der verhindern soll, dass wir seine illusorische Natur erkennen und uns nicht länger von ihm und seinen lebensfeindlichen Konditionierungen beherrschen lassen, sondern ihm wieder seine naturgewollte Rolle als “Diener“ zuordnen. Der menschliche Verstand kann der sanfte “Weisse Stier“ sein, ein Geschenk des Lebens, ein nützliches, machtvolles Instrument in den Händen des Menschen, oder, wenn dieser zum amoklaufenden, mordenden “Kretischen Stier“ mutiert, zum minotaurischen Monster, dem Minotaurus werden. So wie es detailliert in der Minotaurussage geschildert wird. Zwischen den beiden Polen gibt es unzählige Abstufungen. Es handelt sich immer um den menschlichen Verstand, auch wenn er in unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Inhalten und Konditionierungen Form annimmt. Welche Form, hängt von den Einflüssen ab, denen er ausgesetzt ist. Deshalb ist es wichtig, zu verstehen, dass jeder Verstand vom Weissen Stier zum Monster mutieren kann, in allen Schattierungen. Mal mehr zum einen Pol neigend, mal mehr zum anderen. Jederzeit und in jedem Menschen. Der menschliche Verstand ist kein konstantes statisches Gebilde. Alles ist ständig in Bewegung. Es mutet geradezu grotesk an, wenn insbesondere Politiker, auf ihre Konstanz im Denken verweisen und es als ein Zeichen ihrer Verlässlichkeit und Seriosität werten. In Wahrheit zeigt es nur ihre Unfähigkeit, flexibel zu sein und sich dem steten Wandel im Leben anpassen zu können. Stattdessen erwarten sie immer nur von den anderen, sich an ihre starren Denkschemata anzupassen. Für unsere Kinder bedeutet das eine brutale Vergewaltigung!
Sind unsere Kinder, sind wir alle nichts wert, wenn wir nicht arbeiten? Was Arbeit ist und was nicht, bestimmt alleine die vom Verstand beherrschte Gesellschaft und der alleinige Massstab ist Geld.
Nur was der, durch die “Werte“ dieser Gesellschaft konditionierte Verstand als “nützlich“ definiert, wird als Arbeit anerkannt und wertgeschätzt. Nur ein Mensch, der im Sinne der Gesellschaft arbeitet, wird von ihr akzeptiert. Jeder, der um seine Individualität, Einzigartigkeit und um sein Geburtsrecht kämpft, ein wirklich freies, selbstbestimmtes Leben zu leben, darum, dass all das nicht vernichtet wird, wird nicht aktiv darin unterstützt, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Solche Menschen werden durch den Druck der Gesellschaft auf sie zerstört und zwangsläufig zu Aussenseitern gemacht. Sie können nicht gegen ihre Natur handeln. Aber die Gesellschaft versteht das nicht und erlaubt ihnen von Kindheit an nicht, sich so zu entwickeln, wie es für sie natürlich wäre und eine “Arbeit“ zu finden, die vielleicht nicht “nützlich“, im Sinne der Gesellschaft ist, aber ihnen entspricht und Freude bereitet. Ihr Beitrag zur Gesellschaft würde sich vielleicht nicht im Bruttosozialprodukt wiederfinden, aber einen wichtigen Beitrag zur Harmonie, sozialen Gesundheit und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft beitragen. Es würde sich sogar für die Gesellschaft “rechnen“, wie der Verstand es auszudrücken liebt. Kosten, die bei Sozialhilfe, Hartz IV, Kriminalität, Krankheit und anderen sozialen Phänomenen entstehen, sind eine direkte Folge, der unbewussten Ausgrenzung und Unterdrückung von Menschen, ihren Interessen, ihrem Potential, ihrer Kreativität und ihren verborgenen Talenten.
Die moderne Wirtschaftsgesellschaft fördert niemanden darin, all das zu entdecken und zu entwickeln. Sie erlaubt niemandem, so zu sein, wie er von Natur aus ist. Vielmehr fordert sie von jedem, sich an das gewaltsam aufgezwungene Lebenskonzept dieser Gesellschaft anzupassen. Diese Gesellschaft ist zutiefst unbewusst und dumpf. Sie erkennt ihre eigenen lebensfeindlichen, unintelligenten Mechanismen nicht und sie ist sich nicht bewusst, zu welch komplexen, sich wechselseitig beeinflussenden, gewaltigen Problemen sie führen. Die politische und intellektuelle Kaste der Gesellschaft ist vollkommen in ihren konkurrierenden intellektuellen Konzepten, Ideologien und Machtinteressen verstrickt, unfähig auch nur die einfachsten Probleme wirklich von ihren tatsächlichen Ursachen her zu verstehen und intelligente Lösungsansätze zu finden. Politiker und Experten in allen Lebensbereichen funktionieren alleine nach der Logik des Verstandes und der kann weder sich selbst noch die Logik des Lebens verstehen. Die Logik des Lebens hat mit der Logik des Verstandes sowenig gemeinsam, wie fundamentalistische Christen mit der Wissenschaft. Der griechische Weise Heraklit nannte sie den “Logos“ Eine Qualität, welche dem Verstand rätselhaft erscheint und ihm für immer verschlossen bleibt, weil sie eine existentielle Erfahrung ist und kein intellektuelles Wissen diese jemals vermitteln kann. Dazu ist mehr Bewusstheit/Bewusstsein nötig. Eine Qualität, der in dieser Gesellschaft keine Bedeutung und Beachtung geschenkt wird, obwohl sie unser aller gemeinsamer Nenner, unsere allen gemeinsame Existenzgrundlage ist. In jedem Moment unseres täglichen Lebens. Deshalb leben Menschen in der Gesellschaft zutiefst unbewusst. Agieren wie Schlafwandler. Bewusstheit ist keine Eigenschaft des Intellektes. Sie kann nicht durch intellektuelles Training entwickelt werden. Sie ist eine Qualität unseres Seins und kann nur entdeckt werden, wenn die Richtung der Aufmerksamkeit weg vom Verstand, hin zum beobachtenden Bewusstsein hin verlagert wird.
Der politische Slogan “fördern und fordern“ ist zynisch und pure Heuchelei. Eine Drohung, die im Klartext bedeutet: “Wenn ihr nicht macht, was WIR wollen, entziehen wir euch die Existenzgrundlage". Das Geld! Es ist richtig, dass die Menschen, welche die Gesellschaft durch ihre Unbewusstheit und mangelnde Intelligenz, elementarste Zusammenhänge des Lebens zu verstehen, nur auf Kosten der Gesellschaft überleben können. Die Verantwortung dafür trägt alleine die Gesellschaft, denn sie hat diesen Menschen von Kindheit an nie eine Chance gelassen, ihren eigenen Weg, außerhalb der rigiden Zielvorgaben der Gesellschaft, ihrer Bevormundung und Versklavung zu finden. In erster Linie die Politiker, welche zu unbewusst und deshalb nicht in der Lage sind, das Problem der Ausgrenzung von Menschen in der Gesellschaft zu verstehen und es intelligent und verantwortungsbewusst zu lösen. Die entwürdigende Bevormundung, Verurteilung und Abwertung von Menschen, welche nicht an die herrschenden, gesellschaftlichen Normen angepasst sind, die anders sind, sei es nun aufgrund ihrer, durch Ausgrenzung seitens der Gesellschaft verursachten mangelnden Bildung, ihres sozialen Status, ihrer Interessen und Ziele im Leben, oder anderer Merkmale, ist zynisch und heuchlerisch. Die “Ellenbogengesellschaft“ mit ihrem eiskalten Klima, aus Verdrängung und Wettbewerb braucht und missbraucht diese Menschen für etwas anderes. Niemand spricht es aus. Aber sie erfüllen eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Sie dienen als abschreckendes Beispiel um Angst, insbesondere Existenzangst, zu erzeugen. Ängste zu schüren, ist das bewährte Mittel, um die Massen zu kontrollieren und um sie manipulieren zu können. Jede Gesellschaft braucht Sündenböcke und Feindbilder, um ihren unnatürlichen, lebensfremden Status quo aufrechterhalten zu können. Als überzeugendes Argument für die Richtigkeit ihrer eigenen Ziele, als Zielscheibe um anzuprangern und um Ängste zu schüren. Wären wir bereit, unsere Söhne, Töchter, Männer, Väter in die Hölle des Krieges zB. nach Afghanistan zu schicken, wenn wir nicht überzeugt davon wären, dass uns Gefahr droht? Niemand wäre zu so einem Wahnsinn bereit, wenn er nicht mit Angst infiziert wäre.
Krieg ist eine Form von “nützlicher“ Arbeit, wie sie die Gesellschaft definiert. Krieg ist Friedensarbeit und der vom Verstand korrumpierte unbewusste, unintelligente Mensch glaubt daran! Er glaubt fest an die vorherrschenden gesellschaftlichen Konzepte. Dem, was diese Gesellschaft jedem als Wertesystem, als einzig akzeptables Lebensmodell aufzwingt. Stolz werden diese, “unsere Werte“ immer wieder in den “Sonntagsreden“ der Politiker und Geistlichen beschworen und vergöttert. Sie beschwören in ritualisierten, toten Reden ein Leben, welches sich rein ökonomisch definiert. Nach Kosten/Nutzenfaktor. Selbst in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich liebe Dich! Was gibst Du mir dafür? Liebst Du mich auch? Ich Liebe Dich, Du gehörst mir, und wenn Du mich betrügst, dann wehe Dir! Liebe, die mit Erwartungen verknüpft und an Bedingungen gekoppelt ist, ist keine Liebe, sondern ein Geschäft. Die Gesetze der Ökonomie beherrschen selbst unsere Intimsphäre mit ihrer Kosten/Nutzenkalkulation.
Es ist überlebenswichtig geworden, dass Menschen sich von den “Experten“, die uns in allen Lebensbereichen vorschreiben wollen, was richtig und was falsch ist, was wir tun dürfen und was nicht, die uns sagen, wer sie sind, was wir sind, was wir wünschen und wollen sollen und wo es lang geht, emanzipieren und selbst herausfinden, wer wir sind und was wir im Leben wollen. Das gilt insbesondere für unsere Kinder. Es muss in der Kindheit, in Elternhaus und in der Schule beginnen! Kinder brauchen keine immer neuen, vom Experten-Verstand zwangsverordnete Bildungsreformen. Er hat seit Jahrhunderten bewiesen, dass er bei der Lösung, der erst durch ihn verursachten Probleme, inkompetent und impotent ist. Kinder und Jugendliche, diese Gesellschaft braucht eine Renaissance des Bewusstseins, eines bewussteren, intelligenten Umgangs miteinander, der sich durch Respekt, Freiheit und Liebe auszeichnet. Liebe fordert nicht! Sie fördert alles, was natürlich ist! Nur so, wenn das Leben sich in unseren Kindern wieder natürlich, frei und selbstbestimmt entfalten kann, wird die allem authentischen Leben innewohnende, sich selbstorganisierende Intelligenz die nötigen Reformen ganz spontan und natürlich hervorbringen. Die natürliche, allem Leben innewohnende Intelligenz ist der künstlichen, antrainierten Intelligenz des Verstandes, welche in IQ gemessen werden kann, um Lichtjahre überlegen.
Wir haben nur verlernt, sie wahrzunehmen und zu kultivieren. Das muss das erste Ziel von Erziehung und Bildung sein. Ausschließlich intellektuelles Wissen über die Welt der Objekte und Konzepte zu vermitteln und nicht existenzielles Wissen über den Wissenden, das Subjekt, erzeugt nur immer mehr Unwissenheit und als Folge davon immer neue Probleme.
# 10. Juli 2010, 09:10 - Rubrik: Amoklauf Schule - Autor: Mandiro Sluet
Kommentare:
# garten_conny schrieb am 10. Jul, 13:29:
Guter Artikel
Sehr gut und treffend das Thema getroffen!








