BildungsBlog
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Bis zur Französischen Revolution (1789-1799) wurde das Leben der meisten Menschen in Europa geprägt durch existentielle Abhängigkeit von äußeren Autoritäten (Geister, religiöse und weltliche Machthaber). Der Vorteil autoritärer Regeln und Gesetze war, dass der einzelne Mensch klare Richtlinien hatte, wie er sein Leben zu gestalten hatte und sich dadurch gesellschaftliche (und materielle) Anerkennung und Zugehörigkeit verschaffen konnte. So war in Stände- und Feudalkulturen eindeutig geklärt, welche Berufe Angehörige einer bestimmten Gesellschaftsschicht oder -klasse ergreifen konnten und welche nicht. Zeitliche und materielle Ressourcen über diese Regelungen hinaus zu investieren war überflüssig. Anpassungsfähigkeit an die Regeln äußerer Autoritäten ist somit eine zentrale Überlebensfähigkeit in verschiedenen kulturellen Epochen gewesen und beeinflusst somit auch heute noch unsere Denk- und Verhaltensmuster.

Um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland Anfang des 21. Jahrhunderts zu sichern, wird gerade in Krisenzeiten immer wieder Innovation als wesentliche Kernkompetenz genannt. Innovation bedeutet neue Ideen und Erfin-dungen in wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen zu verwandeln. Innovationen entstehen also nur dann, wenn Menschen ihre kreativen Kompetenzen einsetzen, um Neues zu erschaffen. Kreativität ist vor allem die Fähigkeit etwas zu denken, was in dieser Form von keinem Menschen vorher gedacht wurde, also eine geistige Schöpfung. Voraussetzung für diese menschliche Ressource, ist also ein Loslassen von gewohnten Denkmustern. Da aber genau diese Gewohnheiten, wie oben beschrieben, ein Fundament unserer Identität bilden und uns (meist unbewusst) glauben machen, dass nur durch das Einhalten gewohnter Muster unser Überleben funktioniert, ist dieses Loslassen so schwer und erzeugt teilweise sogar Angst. Identifikation mit tradierten Denkmustern und Kreativität stehen also in einem deutlichen Gegensatz.

Die Identität eines Bürgers im Mittelalter lautete in etwa ‚Wenn ich genau tue, was mir die Obrigkeit sagt, verdiene ich Anerkennung und Lohn’. Um kreativ sein zu können brauchen wir also eine Identität, die sich aus dieser gewohnten Abhängigkeit löst und einen Gegensatz dazu bildet. Und da Kreativität ihren Ursprung im Geistigen hat, braucht eine kreative Identität den Bezug zu unseren geistigen Potentialen.

Was ist der Unterschied zwischen einer äußeren bzw. einer geistigen Identität?

Zunächst ist es die Erkenntnis, dass unser Bewusstsein in einem inneren, geistigen Raum entsteht, in dem sich Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Wünsche bewegen. Weiter ist wesentlich, dass ich die Vorgänge in diesem inneren Bewusstseinsraum beobachten kann, ich kann mir also bewusst machen welche Gedanken, Gefühle und Vorstellungen sich gerade in meinem Geist bewegen. Wenn ich meine eigenen Gedanken und Gefühle beobachte statt völlig von ihnen vereinnahmt (abhängig) zu sein. Wenn ich die meine äußere Realität beobachte statt sie sofort in positiver oder negativer Weise bewerte, dann erweitert sich mein innerer geistiger Raum. Durch die Wahrnehmung des Unterschieds zwischen meinen unmittelbaren Gedanken, Gefühlen und Bewertungen und dem Beobachten derselben, entsteht gleichzeitig eine neue Identität, die in etwa lautet ‚Ich bin der Beobachter meiner äußeren und inneren Realität’ und damit findet gleichzeitig der Sprung in eine geistige Identität statt:

Als Beobachter kann ich bewusst unterscheiden, welche Gedanken, Gefühle und Vorstellungen mich wirklich motivieren und welche Gedanken meinen Widerstand (Ärger, Frust, Angst,…) hervorrufen. Handeln, das aus echter innerer Motivation erfolgt führt mich in die Begeisterung (und Zufriedenheit). Handeln, das aus innerem Widerstand heraus erfolgt, führt mich immer tiefer in die Abhängigkeit (Fremd-bestimmung) hinein. Als mein eigener Beobachter kann ich dies unterscheiden bevor ich die Folgen meines Handelns zu spüren bekomme. Je mehr ich der Wahrnehmung meines inneren Beobachters vertraue, desto freier werde ich von Identifizierungen, die meinen inneren Widerstand hervorrufen und durch (unbewusste) Anpassung an äußere Autoritäten entstanden sind. Dann spüre ich sofort, was meine Augen wirklich zum Leuchten und mein Herz zum Singen bringt. Dann weiß ich (ohne, dass es mir jemand sagen muß) wer ich wirklich bin, dann weiß ich das ich selbst dieses Leuchten und Singen bin.
Das beobachtende Bewusstsein, auch Seele oder Selbst genannt, entsteht in jedem Menschen neu und ist an keine Kultur oder Tradition gebunden. Es beugt sich keiner fremden Wahrheit, keiner fremden Zeit, keinem fremden Ort. Seele lehrt den Menschen sich selbst Leuchte und Musik zu sein.

Der Übergang zum Vertrauen in die eigene inneren Autorität, zur eigenen Seelenidentität ist geprägt von vielen ‚Rückfälle’ in alte Gewohnheiten. Diese wollen mich immer wieder Glauben machen, dass es besser für mich ist, äußeren Vorgaben oder Erwartungen statt meinen inneren zu vertrauen, so wie es viele Generationen vor mir getan haben. Goethe nannte diese Rückfälle: ‚Solang du nicht weißt, was es heißt, dieses Stirb und Werde, solange bist Du nur ein trüber Gast auf dunkler Erde“. Authentische Seelenidentität will also errungen werden wie ein wertvoller Schatz. Und dies bedeutet, dass genau dieses wahrnehmen der Rückfälle, das wahrnehmen des Unterschieds der besteht zwischen ‚meiner eigenen Wahrheit folgen’ und ‚einer fremden Wahrheit folgen’ den Weg in die höhere Bewusstseinsebene des Beobachters und die eigene echte Kreativität bedeutet.

Sind Sie schon Ihr innerer Beobachter? Sind Sie schon im Kopf und Herzen kreativ?

Wesentlicher Bestandteil meiner Seminare http://www.systemische-kommunikation.com/bewusstseinsentwicklung.php ist es, den inneren Beobachter als verlässlichen Ratgeber in das eigene Leben zu integrieren.

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