Auf Einladung des "Pädagogischen Arbeitskreises", dem Vertreter der Eltern und Lehrer angehören, referierte der ehemalige Schulleiter Dr. Elmar Weiß am Dienstag über "GTO - damals und heute. Was ist der Geist dieser besonderen Schule?"
Oberstudiendirektor Willi Biemer begrüßte die Gäste in der Aula. Er freute sich besonders darüber, dass alle ehemaligen Schulleiter der Einladung gefolgt waren. Besonders Dr. Elmar Weiß, der von den Anfängen bis ins Jahr 1997 die Schule leitete, habe sehr nachhaltig den Aufbau des GTO gestaltet. Zwar habe sich in den letzten Jahrzehnten das Umfeld, in dem Schulen arbeiten, verändert, aber die Frage, was eine gute Schule kennzeichnet, bleibe stets aktuell.
In seinem Referat ging Dr. Weiß auf soziokulturelle und bildungspolitische Umfeld ein, unter dem das GTO entstand. Ende der 50er Jahre sei mit dem Wirtschaftswunder die Nachfrage nach gut ausgebildeten jungen Menschen gestiegen. Die sehr niedrigen Übergangsquoten auf weiterführende Schulen, vor allem im ländlichen Raum, habe die Bildungspolitiker auf den Plan gerufen. Studien hätten gezeigt, dass im ländlichen Raum intelligente junge Menschen wohnen, denen aufgrund mangelnder Bildungsangebote und wegen der ungünstigen Verkehrssituation der Übergang auf ein Gymnasium verwehrt blieb.
1965 habe Kultusminister Prof. Dr. Wilhelm Hahn deshalb den Startschuss zur Gründung einer Realschule in Boxberg und eines Progymnasiums in Osterburken gegeben. Das Projekt sei von vielen mit großer Skepsis betrachtet worden. Dennoch habe sich die Stadt Osterburken für den Schulstandort eingesetzt. Schnell sei klargeworden, dass die Schule sich an den besonderen Bedürfnissen des ländlichen Raums ausrichten müsse. Deshalb wurde schon damals eine Schule ins Auge gefasst, die eine Mensa umfasst, in der Hausaufgaben überwacht werden, die den Schülern eine Bibliothek zur Verfügung stellt und in der eine sinnvolle Freizeitgestaltung möglich sein musste. Eine Ganztagsschule in gebundener Form habe sich deshalb als die bestmögliche Lösung angeboten.
Sehr schnell habe sich gezeigt, dass dieses Gymnasium von vielen Eltern angenommen wurde; die Schülerzahlen seien kontinuierlich gestiegen und hätten es notwendig gemacht, einen Neubau zu errichten, der 1971 bezogen werden konnte. Das Ganztagsgymnasium habe sich von Anfang an als Schule verstanden, die für alle Gesellschaftsschichten akzeptabel sein wollte. Ihre Ausrichtung als gebundene Ganztagsschule habe aber viele Jahre nicht in die bildungspolitische Landschaft gepasst, deshalb habe sie immer für ihre Wertvorstellungen kämpfen müssen.
Es sei immer ein Anliegen der Schule gewesen, eine Art "Community Center" für die Region zu werden, eine kulturelle Begegnungsstätte, in der auf die individuelle Begabung der Kinder eingegangen würde. Musikerziehung, Sportfeste, allerlei kulturelle Veranstaltungen an der Schule seien immer wichtige Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gewesen. Die Schule habe sich nicht allein auf Umsetzung von Lehrplänen beschränken wollen, extracurrikulare Aspekte hätten über alle Jahre hinweg immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die Schule habe sich nicht nur als Lernort, sondern als Lebensraum für die Kinder verstanden.
Dabei habe sie immer auf das besondere Engagement der Lehrer bauen können, die sich mit ihrer Schule identifiziert hätten. Die am Schulleben Beteiligten seien immer vom Willen beseelt gewesen, etwas Neues zu schaffen und dafür zu kämpfen. Beides sei auch in der heutigen Zeit sehr wichtig.
Viele Politiker hätten ihre Einstellung gegenüber Ganztagsschulen angesichts des "Pisaschocks" in den letzten Jahren überdenken müssen, allerdings habe sich die Politik im Wesentlichen darauf beschränkt, Organisationsstrukturen zu verändern. Die gesellschaftspolitische Landschaft habe sich verändert, nun sei es an der Zeit, dass auch die Pädagogik darauf die richtigen Antworten finde. Ganztagsschulen dürften keine Kuschelpädagogik vermitteln, sie sollten keine Verwahranstalten sein, aber auch nicht Selektionsinstanzen. Der Staat müsse realisieren, dass es auf Haltungen und intellektuelle Ressourcen ankomme, nicht nur auf Organisation. Lehrer dürften sich nicht auf Wissenskompetenz beschränken, ihre innere Haltung sei für ein kinderzentriertes Arbeiten von eminenter Bedeutung.
Wichtig sei zu erkennen, was kindgerecht ist, hierbei könnte die moderne Hirnforschung wertvolle Hinweise geben. Es sei notwendig, das Lernen selbst zu erforschen und ins Zentrum des pädagogischen Arbeitens zu rücken. Schule müsse sich auf jeden Schüler einlassen und auf seine Haltung einwirken, dadurch könne Erziehung gelingen.
Quelle: http://bildung24.cwsurf.de/blog/47-bayern/173-nicht-nur-lernort-sondern-auch-lebensraum
Oberstudiendirektor Willi Biemer begrüßte die Gäste in der Aula. Er freute sich besonders darüber, dass alle ehemaligen Schulleiter der Einladung gefolgt waren. Besonders Dr. Elmar Weiß, der von den Anfängen bis ins Jahr 1997 die Schule leitete, habe sehr nachhaltig den Aufbau des GTO gestaltet. Zwar habe sich in den letzten Jahrzehnten das Umfeld, in dem Schulen arbeiten, verändert, aber die Frage, was eine gute Schule kennzeichnet, bleibe stets aktuell.
In seinem Referat ging Dr. Weiß auf soziokulturelle und bildungspolitische Umfeld ein, unter dem das GTO entstand. Ende der 50er Jahre sei mit dem Wirtschaftswunder die Nachfrage nach gut ausgebildeten jungen Menschen gestiegen. Die sehr niedrigen Übergangsquoten auf weiterführende Schulen, vor allem im ländlichen Raum, habe die Bildungspolitiker auf den Plan gerufen. Studien hätten gezeigt, dass im ländlichen Raum intelligente junge Menschen wohnen, denen aufgrund mangelnder Bildungsangebote und wegen der ungünstigen Verkehrssituation der Übergang auf ein Gymnasium verwehrt blieb.
1965 habe Kultusminister Prof. Dr. Wilhelm Hahn deshalb den Startschuss zur Gründung einer Realschule in Boxberg und eines Progymnasiums in Osterburken gegeben. Das Projekt sei von vielen mit großer Skepsis betrachtet worden. Dennoch habe sich die Stadt Osterburken für den Schulstandort eingesetzt. Schnell sei klargeworden, dass die Schule sich an den besonderen Bedürfnissen des ländlichen Raums ausrichten müsse. Deshalb wurde schon damals eine Schule ins Auge gefasst, die eine Mensa umfasst, in der Hausaufgaben überwacht werden, die den Schülern eine Bibliothek zur Verfügung stellt und in der eine sinnvolle Freizeitgestaltung möglich sein musste. Eine Ganztagsschule in gebundener Form habe sich deshalb als die bestmögliche Lösung angeboten.
Sehr schnell habe sich gezeigt, dass dieses Gymnasium von vielen Eltern angenommen wurde; die Schülerzahlen seien kontinuierlich gestiegen und hätten es notwendig gemacht, einen Neubau zu errichten, der 1971 bezogen werden konnte. Das Ganztagsgymnasium habe sich von Anfang an als Schule verstanden, die für alle Gesellschaftsschichten akzeptabel sein wollte. Ihre Ausrichtung als gebundene Ganztagsschule habe aber viele Jahre nicht in die bildungspolitische Landschaft gepasst, deshalb habe sie immer für ihre Wertvorstellungen kämpfen müssen.
Es sei immer ein Anliegen der Schule gewesen, eine Art "Community Center" für die Region zu werden, eine kulturelle Begegnungsstätte, in der auf die individuelle Begabung der Kinder eingegangen würde. Musikerziehung, Sportfeste, allerlei kulturelle Veranstaltungen an der Schule seien immer wichtige Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gewesen. Die Schule habe sich nicht allein auf Umsetzung von Lehrplänen beschränken wollen, extracurrikulare Aspekte hätten über alle Jahre hinweg immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die Schule habe sich nicht nur als Lernort, sondern als Lebensraum für die Kinder verstanden.
Dabei habe sie immer auf das besondere Engagement der Lehrer bauen können, die sich mit ihrer Schule identifiziert hätten. Die am Schulleben Beteiligten seien immer vom Willen beseelt gewesen, etwas Neues zu schaffen und dafür zu kämpfen. Beides sei auch in der heutigen Zeit sehr wichtig.
Viele Politiker hätten ihre Einstellung gegenüber Ganztagsschulen angesichts des "Pisaschocks" in den letzten Jahren überdenken müssen, allerdings habe sich die Politik im Wesentlichen darauf beschränkt, Organisationsstrukturen zu verändern. Die gesellschaftspolitische Landschaft habe sich verändert, nun sei es an der Zeit, dass auch die Pädagogik darauf die richtigen Antworten finde. Ganztagsschulen dürften keine Kuschelpädagogik vermitteln, sie sollten keine Verwahranstalten sein, aber auch nicht Selektionsinstanzen. Der Staat müsse realisieren, dass es auf Haltungen und intellektuelle Ressourcen ankomme, nicht nur auf Organisation. Lehrer dürften sich nicht auf Wissenskompetenz beschränken, ihre innere Haltung sei für ein kinderzentriertes Arbeiten von eminenter Bedeutung.
Wichtig sei zu erkennen, was kindgerecht ist, hierbei könnte die moderne Hirnforschung wertvolle Hinweise geben. Es sei notwendig, das Lernen selbst zu erforschen und ins Zentrum des pädagogischen Arbeitens zu rücken. Schule müsse sich auf jeden Schüler einlassen und auf seine Haltung einwirken, dadurch könne Erziehung gelingen.
Quelle: http://bildung24.cwsurf.de/blog/47-bayern/173-nicht-nur-lernort-sondern-auch-lebensraum
einervonvielen am 28. November 2009, 10:28 - Rubrik: Bildungspolitik








