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In Sachen Reformpädagogik spielt die Universität Siegen in der ersten Liga. Der Erziehungswissenschafler Prof. Dr. Hans Brügelmann ist Sprecher des bundesweiten Schulverbundes „Blick über den Zaun”. Die gleichnamige Arbeitsstelle auf dem Adolf-Reichwein-Campus leitet sein Mitarbeiter Axel Backhaus.

„Blick über den Zaun” – so nannten innovative Schulen vor 20 Jahren ein neues Projekt. Sie bildeten ein stetig wachsendes Netzwerk, dessen Mitglieder sich pädagogischen Standards für eine „gute” Schule verschrieben haben. Inzwischen gehören rund 100 Schulen aller Formen und Stufen zum Verbund – darunter viele in Fachkreisen für ihre moderne Pädagogik berühmte Einrichtungen. Sie bilden insgesamt zwölf Arbeitskreise, in denen jede Mitgliedsinstitution zwei Vertreter hat. Und sie unterziehen sich einem Evaluierungsprozess (=Begutachtung, Bewertung) mit hohen Ansprüchen.
Alternative zu „Schulinspektionen”

Grundsätzlich wollen sie eine Alternative zu den ministeriell verordneten, von den Kollegien eher gefürchteten „Schulinspektionen” sein. Diese würden „Bildung auf beobachtbare Kennwerte reduzieren und in Zahlen kürzen”, meinen die beiden Wissenschaftler. „Blick über den Zaun” betont den sozialen Aspekt: Es kommen keine Kontrolleure, sondern „kritische Freunde”.

„Jede Schule kann besser werden”, ist Prof. Brügelmann überzeugt. Wie – das verraten zum Beispiel die „Vier Grund überzeugungen” des Verbundes. Nummer eins der Standards: „Den Einzelnen gerecht werden – individuelle Förderung und Herausforderung”.
Reformen von unten nach oben

Wichtig genommen wird auch „das andere Lernen – erziehender Unterricht, Wissensvermittlung, Bildung”. Dazu gehören die „Demokratische Schule”, die nicht von oben nach unten bestimmt wird sowie die Schule, die sich selbst als lernende Institution begreift, die Reformen von innen und unten anstrebt.

Praktisch funktioniert der Verbund, der inzwischen von Siegen aus koordiniert wird, so: Zwei Pädagogen einer Schule aus einem der Arbeitskreise besuchen zwei bis drei Tage lang eine andere. Sie beobachten den Unterricht, sprechen mit den Kollegen – und machen sich anhand ihrer Standards ein Bild. Hans Brügelmann: „Die Kollegen kommen aus verschiedenen Schulformen – einer aus der Hauptschule, einer aus dem Gymnasium, zum Beispiel. Jeder sieht etwas Besonderes,” Auf dieser Basis geben die Gastlehrer konstruktive Tipps. Wichtig ist aber auch, dass die Gäste wiederum Ideen mit in ihre eigene Schule nehmen können. Die Pädagogen besuchen sich übrigens gegenseitig, meistens auf eigene Kosten. Prof. Brügelmann: „Das ist ein Zeichen, wie wichtig den Beteiligten die Zusammenarbeit ist.” Diese wird von Siegen aus koordiniert – Axel Backhaus organisiert zum Beispiel eine Bundestagung der Vertreter aller Arbeitskreise in Bensberg.

Die Siegener Erziehungswissenschaftler funktionieren aber nicht nur als eine Art Geschäftsstelle des Verbundes. „Wir haben auch einen Forschungsauftrag”, sagt Axel Backhaus. So begleiten Prof. Brügelmann und Axel Backhaus Besuche von Gastlehrern an Schulen und helfen dabei, den Evaluierungsprozess wissenschaftlich zu untermauern. Außerdem will die Arbeitsstelle das Wissen des Verbundes „Blick über den Zaun” systematisieren und das Projekt dauerhaft etablieren. Selbstverständlich wirbt die Siegener Arbeitsstelle auch um neue Mitglieder für das reformpädagogische Projekt: „In drei Jahren sollen es 150 Schulen sein.”
Seminare und Praktika

In Zukunft bringen vielleicht die Studierenden die Ideen des Verbundes in die Schulen der Region. Gemeinsam bieten Prof. Brügelmann und Axel Backhaus entsprechende Seminare an. Die künftigen Lehrerinnen und Lehrer stellen in ihren Arbeiten jeweils eine Schule des Verbunds vor. Und sie können sogar ihre Praktika dort absolvieren. „Allerdings sind die meisten sehr weit weg”, bedauert Brügelmann. Denn: Bis heute blickt keine einzige Schule aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein „über den Zaun”.
HINTERGRUND

o Mitgliedsschulen des Verbundes „Blick über den Zaun” schneiden beim Deutschen Schulpreis ungleich besser ab als die übrigen Schulen Deutschlands. Sie wurden um ein Vielfaches häufiger nominiert.

o Zu den bekanntesten Mitgliedern gehören die Laborschule Bielefeld und die Helene-Lange-Schule Wiesbaden.Die regional nächst gelegene Schule ist die Sophie Scholl-Schule Gießen.

o Gefördert wird die Arbeitsstelle „Blick über den Zaun” von der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart sowie von der Montag-Stiftung „Jugend und Gesellschaft” Bonn.

o Schulen, die Mitglied werden möchten, können sich über die Arbeitsstelle Siegen bewerben. Sie brauchen einen Konferenzbeschluss, dass die Standards des Verbundes als wichtige Leitlinie für die künftige Weiterentwicklung der Schule übernommen werden.

o Außerdem sollten sie einen Bürgen haben – etwa eine beteiligte Schule, die die Bewerbung prüft und natürlich befürwortet.

Infos: Arbeitsstelle Schulverbund Blick über den Zaun 0271/7404716 und im Internet: www.blickueberdenzaun.de

Quelle: http://bildung24.cwsurf.de/blog/44-paedagogik/102-paedagogen-blicken-ueber-den-zaun

Kommentare:

# kablo tv (Gast) schrieb am 29. Okt, 13:43:
hello
hi thanks for sharing
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