Habe mich soeben hier registriert und möchte uns als erstes mal kurz vorstellen. "Uns" - das ist das Team der Flex-Fernschule. Was ist das nun wieder? Die Flex-Fernschule hilft jungen Leuten, die - aus welchen Gründen auch immer - einen Schulabschluss bisher versäumt haben, bei der Vorbereitung auf eine Externenprüfung zum Haupt- oder Realschulabschluss. Das ganze kommt aus der Jugendhilfe, genauer gesagt: Aus der Heimerziehung. Ursprünglich ging es darum, Ausreißern aus der Heimerziehung eine Alternative zu bieten. Denn es ist schon sehr bemerkenswert: Fragt man die jungen Leute in solchen Einrichtungen, warum sie da leben, hört man sehr oft die Antwort: Ich mach da meinen Schulabschluss. Das ist denen also wichtig. Wenn sie dann aus anderen - oft gut nachvollziehbaren - Gründen nicht in so einer Einrichtung leben wollen, geht ihnen diese Perspektive leider oft verloren. Also sollte ihnen ein Angebot gemacht werden, zu Hause und mit viel eigenem Einsatz und unter Nutzung von Freunden oder Familie als Lernhelfer, an ihrem Ziel zu arbeiten. Das ganze konnten wir im Rahmen eines Modellprojektes der Bundesregierung von 1998 bis 2001 ausproblieren. Und was soll ich sagen - es funktioniert ganz einfach fantastisch. In diesen 10 Jahren haben mehr als 500 Jugendliche, für die es kaum noch eine schulische Perspektive gab, einen Anschluss mithilfe von Flex geschafft. 350 haben ein Abschlusszeugnis erreicht, etwa 150 fühlten sich wieder ermutigt, in eine Regelschule zurück zu kehren. Die Zielgruppe hat sich in dieser Zeit erweitert: Junge Menschen mit Autismus oder AD(H)S, Jugendliche mit Angstproblemen, aggressive oder in ihrer Gruppenfähigkeit Jugendliche, von der Schule enttäschte junge Leute und sogenannte "Schulverweigerer", kranke Jugendliche und solche, die über Maßnahmen des Jugendamtes individuell betreut werden, kurzum: Junge Menschen, die nicht in einer Schule lernen (können).
Wie wir arbeiten, könnt Ihr am besten direkt auf unserer Homepage erfahren: www.flex-fernschule.de
Hier möchte ich mich ganz einfach an Diskussionen rund um das Thema Bildung beteiligen und unsere Erfahrungen und Sichtweisen beitragen. Auf unserer Website haben wir ebenfalls einen Blog eingerichtet, in dem passende Beiträge oder Kommentierungen unserer Beiträge willkommen sind.
An dieser Stelle vielleicht noch einige "Ergebnisse" in Form von Einsichten aus dem, was wir hier rund um unsere Arbeit erfahren dürfen:
Junge Menschen wollen lernen! Dazu sind sie schon von Natur aus ganz einfach angelegt und sie tun es auch ganz unabhängig von dem, was "wir Erwachsenen" ihnen anbieten pausenlos. Wenn wir Einfluss auf das nehmen wollen, was sie lernen, müssen wir ihr Interesse dafür gewinnen und unsererseits Interesse an dem zeigen, was für sie wichtig ist.
Schule ist insoweit eine Ausnahmeveranstaltung, als die Lerninhalte wenig diskutierbar sind. Über die Art der Vermittlung lässt sich freilich trefflich diskutieren. Klar ist aber, dass die jungen Leute diesen Deal akzeptieren: Schulabschluss als Eintrittskarte zu weiteren Perspektiven gibt es nur gegen die Bereitschaft, sich die vorgegebenen Inhalte (wenigstens bis zu den Prüfungen) einzuverleiben, um sie dann zu reproduzieren. Diese Bereitschaft lässt sich ziemlich strapazieren, so dass "Schule" auch dann noch einigermaßen funktioniert, wenn der Unterricht uninspiriert und wenig attraktiv dargeboten wird. Wir selbst - ohne unsere Leistung unter den Scheffel zu stellen - sind dafür ein lebendiger Beweis. Ein Schulabschluss ist den jungen Leuten verdammt wichtig. Er ist so etwas, wie eine zivilisatorische Form der Initiation. Entsprechend entsteht ein Gefühl des Ausgeschlossen seins, wenn ein Abschluss nicht erreicht wird.
Wenn junge Leute das Ziel, einen Schulabschluss zu erreichen, aufgegeben haben, hatten sie - subjektiv - in der Regel wichtige Gründe dafür. Wenn es gelingt, diese Hinderungsgründe zu beseitigen, erlebt man entsprechend dankbare und motivierte junge Leute, die am Ende stolz und glücklich sind, "es" entgegen aller Unkenrufe und eigener Zweifel doch noch geschafft zu haben.
Fazit: Der Sündenfall ist es, die jungen Leute einfach falle zu lassen. Das geschieht in einem System, das Leistungsschwäche vorwiegend durch "Abschulen" sanktioniert und viel zu wenig unterstützt und in einem Zuständigkeitsgerangel zwischen Schule, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung und Gesundheitsbereich viel zu schnell. Und niemand will es gewesen sein und oft genug bekommt es bereits gar keiner mehr mit. Viel zu tun ....
Wie wir arbeiten, könnt Ihr am besten direkt auf unserer Homepage erfahren: www.flex-fernschule.de
Hier möchte ich mich ganz einfach an Diskussionen rund um das Thema Bildung beteiligen und unsere Erfahrungen und Sichtweisen beitragen. Auf unserer Website haben wir ebenfalls einen Blog eingerichtet, in dem passende Beiträge oder Kommentierungen unserer Beiträge willkommen sind.
An dieser Stelle vielleicht noch einige "Ergebnisse" in Form von Einsichten aus dem, was wir hier rund um unsere Arbeit erfahren dürfen:
Junge Menschen wollen lernen! Dazu sind sie schon von Natur aus ganz einfach angelegt und sie tun es auch ganz unabhängig von dem, was "wir Erwachsenen" ihnen anbieten pausenlos. Wenn wir Einfluss auf das nehmen wollen, was sie lernen, müssen wir ihr Interesse dafür gewinnen und unsererseits Interesse an dem zeigen, was für sie wichtig ist.
Schule ist insoweit eine Ausnahmeveranstaltung, als die Lerninhalte wenig diskutierbar sind. Über die Art der Vermittlung lässt sich freilich trefflich diskutieren. Klar ist aber, dass die jungen Leute diesen Deal akzeptieren: Schulabschluss als Eintrittskarte zu weiteren Perspektiven gibt es nur gegen die Bereitschaft, sich die vorgegebenen Inhalte (wenigstens bis zu den Prüfungen) einzuverleiben, um sie dann zu reproduzieren. Diese Bereitschaft lässt sich ziemlich strapazieren, so dass "Schule" auch dann noch einigermaßen funktioniert, wenn der Unterricht uninspiriert und wenig attraktiv dargeboten wird. Wir selbst - ohne unsere Leistung unter den Scheffel zu stellen - sind dafür ein lebendiger Beweis. Ein Schulabschluss ist den jungen Leuten verdammt wichtig. Er ist so etwas, wie eine zivilisatorische Form der Initiation. Entsprechend entsteht ein Gefühl des Ausgeschlossen seins, wenn ein Abschluss nicht erreicht wird.
Wenn junge Leute das Ziel, einen Schulabschluss zu erreichen, aufgegeben haben, hatten sie - subjektiv - in der Regel wichtige Gründe dafür. Wenn es gelingt, diese Hinderungsgründe zu beseitigen, erlebt man entsprechend dankbare und motivierte junge Leute, die am Ende stolz und glücklich sind, "es" entgegen aller Unkenrufe und eigener Zweifel doch noch geschafft zu haben.
Fazit: Der Sündenfall ist es, die jungen Leute einfach falle zu lassen. Das geschieht in einem System, das Leistungsschwäche vorwiegend durch "Abschulen" sanktioniert und viel zu wenig unterstützt und in einem Zuständigkeitsgerangel zwischen Schule, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung und Gesundheitsbereich viel zu schnell. Und niemand will es gewesen sein und oft genug bekommt es bereits gar keiner mehr mit. Viel zu tun ....
Thomas Heckner am 9. Oktober 2008, 11:16 - Rubrik: Schule








