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Rezension: Michael Göhlich, Eckard König, Christine Schwarzer (Hg.) (2007): Beratung, Macht und organisationales Lernen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 187 Seiten, ISBN 978-3-531-15360-5, 26,90€

Im Sammelband setzen sich verschiedene Autorinnen und Autoren mit Beratung als pädagogische Praxis und deren verschiedenen Ebenen – individuelle Beratung, Beratung von lernenden Organisationen und Beratung im Kontext der Schule – auseinander. Diese Ebenen werden vor dem Hintergrund dreier zentraler Bezugstheorien reflektiert. Zum einen werden die Studien von Crozier und Friedberg (1979) herangezogen, die von einer Schnittstelle zwischen individuellem Akteur und dem sozialen System einer Organisation ausgehen. Innerhalb dieser Schnittstellen verfügt ein „Akteur aufgrund seines Spezialwissens über eine gewisse Menge an Macht, die er verteidigen und auszubauen sucht“ (S. 13). Zum anderen werden die Arbeiten Foucaults hinzugezogen, in denen Macht nicht als Besitz oder unterdrückend beschrieben wird, sondern Macht wird als produktiv gedeutet und in einem Macht-Wissenskomplex kontextualisiert. Zum dritten wird in einigen Beiträgen Beratung aus einer systemtheoretischen Perspektive nach Gregory Bateson reflektiert, in der zwischen Personen- und Kommunikationssystemen unterschieden wird.
Der Sammelband baut neben diesen theoretischen Zugängen auf empirischen Untersuchungen zum Verhältnis zwischen Beratung, Macht und organisationalem Lernen auf. Im Folgenden wird für jeden Bereich ein Beitrag exemplarisch vorgestellt.

Im ersten Teil des Bandes „Beratung in Organisationen“ beschäftigt sich Michael Göhlich mit dem Verhältnis von Exzellenz und Ethik im Diskurs um organisationales Lernen. Nach einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Frage was in Organisation als „gut“ bezeichnet wird, zieht er Ergebnisse der empirischen Organisationsforschung heran und kann verdeutlichen, dass Beratung allein aufgrund der Tatsache, dass durch sie Zeit in Anspruch genommen wird, als machtvoll beschrieben werden kann. Weiterhin wird im empirischen Material deutlich, dass die Erfahrung, das Fachwissen und die Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen zentralen Machtfaktor darstellen. In einem Resümee kommt Göhlich zu dem Schluss, dass Macht und Beratung per se ineinander verwoben sind und dass dadurch eine besondere ethische Reflexion erforderlich sei, die dann auch organisationalen Lernprozessen zu Gute kommen könnte.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit „Personalentwicklung und Organisationslernen“. Hier zeigt Ines Sausele anhand der Analyse von Mitarbeitergesprächen, wie der Zusammenhang von Macht und Personalentwicklung und Qualifizierung in einem Wirtschaftsunternehmen auf der einen und einer sozialen Einrichtung auf der anderen Seite deutlich wird. Sie zeigt, dass über die Zugänglichkeit von Weiterbildungsveranstaltungen, Kontrolle über Machtverhältnisse deutlich wird (vgl. S. 94). In Wirtschaftsunternehmen wird dieser Zugang stärker durch Führungskräfte ermöglicht, als im pädagogischen Bereich. Deutlich wird weiterhin, dass gerade bei Wirtschaftsunternehmen die Qualifizierung der Mitarbeiter nicht nur einen individuellen Gewinn an Kompetenz bedeutet, sondern, dass das ganze Unternehmen von diesem Kompetenzzuwachs profitieren kann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen hier in einer Art solidarischen Pflicht gegenüber ihrem Unternehmen. Innerhalb der pädagogisch-sozialen Einrichtung ist der Anspruch zentral, sich eigenverantwortlich weiterzubilden. Dies wird nicht mit dem Profil der Funktionsstelle des Mitarbeiters gekoppelt. So können sich zwar Impulse aus den Fortbildungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die gesamte Institution ergeben – diese werden auch erhofft – allerdings sind sie nicht von Beginn an intendiert.

Im dritten Teil des Sammelbands steht „Schule und Lehrerbildung“ im Mittelpunkt. Heinz S Rosenbusch beschäftigt sich in diesem Kontext mit dem Verhältnis Beratung und Macht am Beispiel der Beurteilung von Systemmitgliedern der Schule durch Vorgesetzte. Dabei geht er einer organisationspädagogischen Grundfrage nach und fragt inwieweit die Zieltätigkeit der Schule durch immanente Regeln und Phänomene der Schulorganisation unterstützt oder behindert wird. Nach einer klaren Differenzierung zwischen Beratung und Beurteilung sowie deren Verortung in unterschiedlichen Kommunikationssystemen kommt Rosenbusch zu folgendem Ergebnis: Beratung ist in der Schule problematisch, da diese nicht durch Dienstvorgesetzte durchzuführen ist. Die Beratung wird dann zur Prüfungssituation, der wiederum andere Machtstrukturen inhärent sind, wie Petra Buchwald in einem eigenen Beitrag zeigen kann.
Der Sammelband ist bietet einen guten Überblick über die komplexe Beziehung zwischen Beratung, lernenden Organisationen und Macht. Besonders gelungen ist auch die Verschränkung von empirischen Untersuchungen und verschiedenen Bezugstheorien.

Julia Franz

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