# Gregor Keuschnig schrieb am 27. Jul, 21:46:
Die Kritik...
am dreigliedrigen Schulsystem ist inzwischen Mainstream. Sie wird von denen geführt, die "Profiteure" dieses Systems waren. Wenn dieses deutsche Schulsystem tatsächlich so schlecht ist, warum hat es denn jahrzehntelang funktioniert - und zwar gar nicht so schlecht? Bereitschaft, Fremdsprachen (früh) zu lernen, Bildung und Wissen als Wert anzusehen, Schule als Ganztagsort zu begreifen - dies alles sind Ideen, die in Deutschland nicht nur bei Politikern schwierig durchzusetzen sind, sondern auch von Eltern meist nicht vermittelt werden. Schnell hört man die Befürchtungen von Überforderung. Für sie ist Schule ein notwendiges Übel; das Kind soll es möglichst einfach haben. Den grössten Stellenwert nimmt die "Freizeit" ein. Bildung galt / gilt als "elitär"; der Klassenprimus ist immer noch ein "Streber". Lesen hat beispielsweise in Finnland einen ungleich höheren kulturellen und sozialen Status als inzwischen in Deutschland. Der Gedanke, dass es in Finnland eine Art Kuschelpädagogik gibt, ist im übrigen vollkommen falsch.
Das Schimpfen auf die Politik ist einfach; gerade in einem föderalen Staat wie die Bundesrepublik. Finnland hat keine Bundesländer, die eigenständige Bildungspolitik betreiben. Nicht zuletzt im dummen Geschwafel vom "Wettbewerb" zwischen den Bundesländern liegt einer der Keime für den drängenden Reformbedarf des Schulsystems in Deutschland. Aber es gibt keine Monokausalität. In einem Land, in dem der Fernsehkonsum von Vorschulkindern sukzessive zunimmt, darf man sich nicht über die Spätfolgen wundern.








