Ein Hinweis quasi 'in eigener Sache': Mein Beitrag 'Warum Weblogs die Universitäten (nicht?) revolutionieren werden' scheint mancherorts einige Irritationen ausgelöst zu haben, deswegen möchte ich hier nochmal auf den Konflikt eingehen, welchen ich zwischen offenem, selbstgesteuertem Lernen mit Weblogs und dem institutionellen Lernen wie es in Universitäten oder Schulen stattfindet sehe.
Über manche meiner subjektiven Erfahrungen an der Uni Giessen, welche hier als Verallgemeinerung herhalten mussten, schrieb ich recht flapsig: Die Damen und Herren dort trifft man übrigens auch nur höchst selten Montags oder Freitags an...
So wie ich es geschrieben habe liest es sich wie eine sehr allgemeine, mehr oder minder unbegründete Provokation. Natürlich gibt es überall DozentInnen welche sehr viel mehr tun als sie müssten, und solche die sehr viel weniger tun, aber das soll hier gar nicht mal der Punkt sein. Ebensowenig lässt sich aus dem Zeitmanagement der Beteiligten irgendeine Qualität herauslesen, was den Inhalt ihrer Arbeit betrifft.
Der Punkt, auf welchen ich hinaus wollte und den ich wohl ebenso weit verfehlt habe, war der, dass hier völlig unterschiedliche Lernkulturen aufeinanderprallen. Dienstags bis Donnerstags anwesend zu sein, den Tag in Viertelstunden zu planen und von Termin zu Termin zu eilen ist beispielsweise zweifelsohne zeitlich effizient. Es findet aber in geschlossenen Instituionen statt, welche hierarchisch organisiert sind und ihrer Mitglieder mit sehr unterschiedlichen Priviliegien ausstatten, wenn man sich das mal vom Reinigungspersonal zum Studierdenden, über wissenschaftliche Mitarbeiter hin zu ProfessorInnen denkt. Über die Rollenverteilungen sowie die Rollen die sie in der Institution innehaben sind sich ja auch fast alle Beteiligten einig.
Sicher hat dies auch mit dem Massenbetrieb, wie er an vielen Universitäten vorherrscht zu tun, und so haben Dozierende zwangsläufig oft wenig Zeit für neue Ideen oder Gespräche mit Studierenden.
Selbstgesteuertes Lernen mit Weblogs (oder auch im öffentlich zugänglichen Web allgemein?) hingegen bedient sich nun eben nicht dieser institutionellen wie hierarchischen Geschlossenheit. Niemand schreibt seinen akademischen Titel in die Überschrift seines Weblogs, und es gibt keinen geschlossenen Diskussionsraum, wie er sich in Institutionen meinetwegen in Form eines tatsächlichen Raumes, einer Publikationsreihe, einer Mailingliste oder einem Internetforum wiederfindet. Jeder Autor eines eigenen Weblogs oder eines CommunityBlogs wird ein Teil des Diskursfeldes indem er sich bewegt, wenn er sich einer noch genauer zu bestimmende Praxis des ebenso reflexiven wie vernetzten (d.h. Quellen einbeziehenden und referenzierenden) Bloggens bedient. Teilweise sind die gegenseitigen Bezüge zumindest in technischer, quantitativer Hinsicht bereits wahrnehmbar, indem sie von Tools wie beispielsweise Technorati oder Blogstats.de visualisiert werden (dies beispielsweise ist der sog. Link-Cosmos des BildungsBlogs).
Deutlich wird hier, dass Diskussionen und das Erschliessen von Lerninhalten oder Reflexionen über das eigene Lernen schnell in Form von sich vernetzenden Weblogs vorliegen können, in die sich jeder einbringen kann, der über die entsprechende Praxis des Bloggens verfügt. Hierdurch werden die Themen in ihrem Umfang und Inhalt wenig kontrollierbar, ebensowenig kann eine gängige Wahrheit vermittelt werden, es sei denn dass sie anderen Argumentationen inhaltlich standhielte.
Nun dürfte es eben aufgrund der Tatsache, dass diese Zusammenhänge zwar von manchen aktiven Bloggern so erlebt werden, sich aber schwer in einem halbstündigen Powerpoint-Vortrag oder ähnlichem vermitteln lassen ein wichtiger Punkt sein, herauszufinden wo und wie diese unterschiedlichen (ungenau:) Lernkulturen zu vereinbaren sind.
Dies dürfte auch für mich ein wichtiger Punkt sein, wenn ich die Möglichkeiten Weblogs im selbstgesteuerten Lernen einzusetzen in meine Studienrealität einbringen möchte. Viel mehr oder weniger wollte ich mit meinem ursprünglichen Statement eigentlich gar nicht sagen. Nur sind manchmal anscheinend mehr Worte notwendig, um einen schnell im Weblog heruntergeschrieben Spruch auch mit einem intersubjektiven Sinn zu füllen. ;-)
Dies ist für mich ein wichtiger Aspekt des Webloggens: Sich gegenseitig mit Fragen und Argumenten zu irritieren, um eine - hoffentlich für alle aktiv oder passiv am BildungsBlog und an anderen Edublogs beteiligten - im wortwörtlichen Sinne konstruktive Umgebung zu schaffen.
Über manche meiner subjektiven Erfahrungen an der Uni Giessen, welche hier als Verallgemeinerung herhalten mussten, schrieb ich recht flapsig: Die Damen und Herren dort trifft man übrigens auch nur höchst selten Montags oder Freitags an...
So wie ich es geschrieben habe liest es sich wie eine sehr allgemeine, mehr oder minder unbegründete Provokation. Natürlich gibt es überall DozentInnen welche sehr viel mehr tun als sie müssten, und solche die sehr viel weniger tun, aber das soll hier gar nicht mal der Punkt sein. Ebensowenig lässt sich aus dem Zeitmanagement der Beteiligten irgendeine Qualität herauslesen, was den Inhalt ihrer Arbeit betrifft.
Der Punkt, auf welchen ich hinaus wollte und den ich wohl ebenso weit verfehlt habe, war der, dass hier völlig unterschiedliche Lernkulturen aufeinanderprallen. Dienstags bis Donnerstags anwesend zu sein, den Tag in Viertelstunden zu planen und von Termin zu Termin zu eilen ist beispielsweise zweifelsohne zeitlich effizient. Es findet aber in geschlossenen Instituionen statt, welche hierarchisch organisiert sind und ihrer Mitglieder mit sehr unterschiedlichen Priviliegien ausstatten, wenn man sich das mal vom Reinigungspersonal zum Studierdenden, über wissenschaftliche Mitarbeiter hin zu ProfessorInnen denkt. Über die Rollenverteilungen sowie die Rollen die sie in der Institution innehaben sind sich ja auch fast alle Beteiligten einig.
Sicher hat dies auch mit dem Massenbetrieb, wie er an vielen Universitäten vorherrscht zu tun, und so haben Dozierende zwangsläufig oft wenig Zeit für neue Ideen oder Gespräche mit Studierenden.
Selbstgesteuertes Lernen mit Weblogs (oder auch im öffentlich zugänglichen Web allgemein?) hingegen bedient sich nun eben nicht dieser institutionellen wie hierarchischen Geschlossenheit. Niemand schreibt seinen akademischen Titel in die Überschrift seines Weblogs, und es gibt keinen geschlossenen Diskussionsraum, wie er sich in Institutionen meinetwegen in Form eines tatsächlichen Raumes, einer Publikationsreihe, einer Mailingliste oder einem Internetforum wiederfindet. Jeder Autor eines eigenen Weblogs oder eines CommunityBlogs wird ein Teil des Diskursfeldes indem er sich bewegt, wenn er sich einer noch genauer zu bestimmende Praxis des ebenso reflexiven wie vernetzten (d.h. Quellen einbeziehenden und referenzierenden) Bloggens bedient. Teilweise sind die gegenseitigen Bezüge zumindest in technischer, quantitativer Hinsicht bereits wahrnehmbar, indem sie von Tools wie beispielsweise Technorati oder Blogstats.de visualisiert werden (dies beispielsweise ist der sog. Link-Cosmos des BildungsBlogs).
Deutlich wird hier, dass Diskussionen und das Erschliessen von Lerninhalten oder Reflexionen über das eigene Lernen schnell in Form von sich vernetzenden Weblogs vorliegen können, in die sich jeder einbringen kann, der über die entsprechende Praxis des Bloggens verfügt. Hierdurch werden die Themen in ihrem Umfang und Inhalt wenig kontrollierbar, ebensowenig kann eine gängige Wahrheit vermittelt werden, es sei denn dass sie anderen Argumentationen inhaltlich standhielte.
Nun dürfte es eben aufgrund der Tatsache, dass diese Zusammenhänge zwar von manchen aktiven Bloggern so erlebt werden, sich aber schwer in einem halbstündigen Powerpoint-Vortrag oder ähnlichem vermitteln lassen ein wichtiger Punkt sein, herauszufinden wo und wie diese unterschiedlichen (ungenau:) Lernkulturen zu vereinbaren sind.
Dies dürfte auch für mich ein wichtiger Punkt sein, wenn ich die Möglichkeiten Weblogs im selbstgesteuerten Lernen einzusetzen in meine Studienrealität einbringen möchte. Viel mehr oder weniger wollte ich mit meinem ursprünglichen Statement eigentlich gar nicht sagen. Nur sind manchmal anscheinend mehr Worte notwendig, um einen schnell im Weblog heruntergeschrieben Spruch auch mit einem intersubjektiven Sinn zu füllen. ;-)
Dies ist für mich ein wichtiger Aspekt des Webloggens: Sich gegenseitig mit Fragen und Argumenten zu irritieren, um eine - hoffentlich für alle aktiv oder passiv am BildungsBlog und an anderen Edublogs beteiligten - im wortwörtlichen Sinne konstruktive Umgebung zu schaffen.
Kommentare:
# caburger schrieb am 5. Jun, 18:51:
Trust-Management bei kollaborativer Weiterentwicklung von Lernmaterial
"Hierdurch werden die Themen in ihrem Umfang und Inhalt wenig kontrollierbar, ebensowenig kann eine gängige Wahrheit vermittelt werden, es sei denn dass sie anderen Argumentationen inhaltlich standhielte."Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu. Zur Behebung des Problems habe ich zusammen mit einem ehemaligen Kollegen an der Universität Stuttgart im Bereich Informatik eine Studienarbeit zum Thema "Kollaborative Weiterentwicklung von Lernmaterial unter Verwendung eines Trust-Management-Systems" betreut.
Der Student hat zwar anstelle von Blogs ein eigenes System entworfen, aber das dabei verwendete Prinzip der Bewertung von Lernmaterialien und Kommentaren sowie der Vertrauenswürdigkeit von Bewertungen anderer lässt sich durchaus auch auf Blogs anwenden (es ist übrigens dem vergleichbar, das auch bei Buchempfehlungen z. B. bei Amazon eingesetzt wird).
Auf diese Weise können sich Studierende diejenigen Materialien/Kommentare anzeigen lassen, die mit großer Wahrscheinlichkeit besonders hilfreich für sie sind. Zwar wird dadurch keine "gängige Wahrheit" erreicht, aber entsprechend der jeweils indivduellen Bedürfnisse von Lernenden gefiltert.








