BildungsBlog
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Heute vormittag habe ich - wie angekündigt - für die European Academy for Microlearning den deutschsprachigen Workshop über 'Mikro-Lernobjekte für Einsteiger' gehalten.

Die Folien finden sich hier im PDF-Format:
Mikro-Lernobjekte-fuer-Einsteiger (pdf, 1,527 KB)

Als Powerpoint (bessere Qualität):
Mikro-Lernobjekte-fuer-Einsteiger-Powerpoint (ppt, 5,670 KB)

Links zum Thema Microlearning:
http://www.microlearning.org
http://en.wikipedia.org/wiki/Microlearning
http://del.icio.us/tag/microlearning
http://www.technorati.com/tags/microlearning

Falls Sie TeilnehmerIn des Workshops waren, können Sie in den Kommentaren gerne Fragen, Ideen oder Anmerkungen veröffentlichen.

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Kommentare:

# luna.tic (Gast) schrieb am 16. Jun, 14:03:
Learning light
Es ist natürlich immer schwer aufgrund einer PPPP (Professionelle PowerPoint Präsentation) einen lerntheoretischen Beitrag zu analysieren und zu kritisieren. Dennoch einige Micro-Gegenargumente/Irritationen:

- Auch mit Micro-Content wird Individualisierung des Lernens wieder nur raum-zeitlich realisiert - Inhaltsauswahl, Strukturierung über Link-/Auswahlstrukturen bleibt wesentlich stärker "top down" fremdstrukturiert (Objektive gesellschaftliche Wissensbestände verbergen sich in Simulation der Wahlfreiheit und Subjektivität, übrigens ein Phänomen, das sich seit den 60er Jahren durch die Mediendidaktik zieht - vom Programmierten Unterricht über die E-Learning Debatte bis in der jüngsten Form im Microlearning).
- SGL wird als Wahlfreiheit des Konsumenten interpretiert (wann esse ich wo welchen Informationshappen). Darüber hinaus gehende - in der erziehungswissenschaftlichen Geschichte einst emanzipatorisch genannte - Subjektivierungsprozesse (etwa im Sinne von expansivem Lernen) werden nicht berücksichtigt oder vielleicht eher nicht intendiert... (Siehe auch http://www.weiterbildungsblog.de/archives/001199.html für ein Beispiel der meiner Ansicht nach falsch geführten Diskussion zwischen der sogenannten radikalen Pädagogik, die falschen Prämissen von Freiheit aufsitzt --> Rousseau und dem sogenannten Bildungspragmatismus.)

- Problematisches Wissenskonstruktionsverständnis des Microlearnings: Richtig ist: "Microcontent bedient selten elaborativeTheorien" - kann er auch nicht, da er (auch vom Konstruktivismus betonte) Komplexität von Wissen auf Infobits reduziert. "[Microcontent] ist daher leicht(er) diskutierbar, und kann referenziert werden" - stimmt - aber warum sollte man sich noch die Mühe machen, unterkomplexe Fakten zu diskutieren. Der Bedarf nach Diskurs entsteht eben gerade erst in dialektisch aufeinander bezogenen Wissensfeldern. Die Viabilität der im Microcontent erworbenen Wissenskonstruktionen wird somit fraglich.

- Soziale Konstruktion von (gesellschaftlicher) Wirklichkeit ist auch oder gerade im New-Media-Bereich nicht außerhalb von Machtprozessen zu sehen. Beispiele:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,418309,00.html

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22246/1.html 
# Stephan Mosel antwortete am 19. Jun, 19:08:
Microcontent und Macht?
Zunächst einmal vielen Dank für Deine Einwürfe. Microlearning wird hier und anderswo kritisch hinterfragt, und das ist ja auch gut so:
http://mschiefner.blogschrift.org/archives/182-Microlearning.html
http://medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de/denkarium/?p=70
http://medienpaedagogik.kaywa.com/podcast/microlearning-podcast.html
http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=20

Deine Irritationen lese ich im Bezug auf "Microcontent und Macht" in allen Punkten, kann man das so sagen?

Ich bin mir nicht sicher ob ich alles verstanden habe, denn die Anmerkungen sind zwar kurz, aber komplex. Hier sind mal meine Antworten dazu:

- der erste Punkt ist fast der Schwerste: Wenn eine Vor-Auswahl von Inhalten stattfindet, dann landen wir eigentlich immer dort. Vielleicht macht es Sinn, langfristig eben verstärkt offene Inhalte aus dem Web einzubeziehen? Z.B. durch die Integration von user-generated Content aus Web 2.0-Plattformen.

- SGL meinte ich eigentlich eher kritisch formuliert zu haben. Der Begriff erscheint mir ziemlich ambivalent. Die Interpretation der Wahlfreiheit teile ich so nicht, vielmehr erscheint es mir als 'Zwang' zur Selbstorganisation.

- Den Hinweis auf den Widerspruch zur Wissenskonstruktion im Microlearning nehme ich sehr ernst, danke dafür. Dennoch meine ich, dass die meisten Diskussionen eben nicht sonderlich komplexe Inhalte zum Thema haben, und durchaus zu einem besseren Verständnis beitragen. Das ist bislang aber ziemlich 'aus dem Bauch raus', und vielleicht fehlt mir da als ehemals sehr aktiver Blogger auch die Distanz. Aber die spannendsten Diskussionen haben sich oft genug gerade aus den kurzen Beiträgen in meinem persönlichen Weblog heraus entwickelt. Hier im BildungsBlog wird hingegen so oder so nur sehr selten diskutiert, aber das ist ein andres Thema.

Zum letzten Punkt kann ich nur sagen, dass Wikipedia insgesamt doch immer noch sehr gut funktioniert. Und das mit dem NPOV (Neutral Point of View) den die hegen und pflegen ist so oder so sehr problematisch; wenn ich länger drüber nachdenke weiss ich gar nicht mehr, was denn nun überhaupt neutral sein sollte. Schwierig wird es dann, wenn die Manipulationen nicht mehr ganz so offenkundig sind. 
# luna.tic (Gast) antwortete am 21. Jun, 14:03:
1. Sorry wenn bezüglich SGL falsche Eindrücke entstanden sind. Aus Deinen Folien war das nicht so ganz herauszulesen. Hatte mich schon gefragt, wie Du SGL und Foucault vereint hast. Ich wäre auch froh, wenn endlich der SGL-Begriff in all seinen Spielarten mal vom Tisch wäre (wann kommt eigentlich die nächste EW-Modewelle - wollte diesmal auch gleich aufspringen ;)). Aus diesem Begriff ergibt sich ja auch gerade die Konfusion mit Vorstrukturierung etc.

2. a) siehe meine Antwort zu Lias Antwort
2. b) Ich muß gestehen, dass ich Weblogs bislang eher nur passiv genutzt habe und meist enttäuscht war vom intellektuellen Potential. Wenn Weblogs wirklich den Sprung zum (ernst zu nehmenden) Lern- und Wissenschaftstool machen sollen, muss hier IMO noch was passieren. Ich wage seit kurzem erst den Selbstversuch und habe mir auch ein Blog angelegt, um auszuprobieren inwieweit ich dieses Medium als Lerninhalt und Lernmedium für meinen Mediendidaktik-Lehrauftrag benutzen kann (übrigens motiviert durch Deine Dipl. Arbeit und einen Hinweis von Deinem - glaube jüngsten - Bruder). Daher kann ich noch nicht so richtig explizieren, was ich meine. Grob formuliert vielleicht so: Es muß sich vom Informations- und Fast-Food- zum Reflexions- und Diskursmedium wandeln (also was wir hier gerade machen). Das Potential hätte es bestimmt, da Blogs nicht zwingend ökonomischen Kriterien entsprechen müssen.

3. Agreed! Es gibt nur Interessen (gerade im sozialen/kulturellen Bereich), die nie objektiv/neutral sein können. Problematisch wird das Ganze nur, wenn Deutungssysteme durchgesetzt werden, die das nicht mehr thematisieren (z.B. Naturalisierung sozialer Phänome). 
# Lia schrieb am 19. Jun, 19:18:
Vernetzung
also: breite Zustimmung von meiner Seite. Einen Punkt finde ich allerdings noch wichtig. Ein einzelnes Micro-Content-Element mag vielleicht unterkomplex sein, aber die Vernetzung mehrere Items schafft die Komplexität, die fürs Lernen notwendig ist... 
# luna.tic (Gast) antwortete am 21. Jun, 13:29:
Meine Probleme mit Micro-Content habe ich eigentlich nicht mit dem Herunterbrechen von Komplexität in kleinere Bits. Das ist für die Bearbeitbarkeit und Verarbeitbarkeit pragmatisch sogar zwingend notwendig (abgesehen von postulierten Motivationsschüben durch komplexe Ausgangsstellungen im situierten Lernen, die man IMO auch noch mal kritisch nach milieuspezifischen Backgrounds aufteilen müßte). Klafki würde hier wohl von der didaktischen Aufgabe der Exemplarität sprechen.
Mein Problem ist vielmehr, dass Micro-Content mediumbedingt ZU klein wird, um wirklich zum adequaten Wissenserwerb zu taugen. 

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