Die Zeit hat eine Familiengeschichte der Erziehung über drei Generationen veröffentlicht: "Wie man in Deutschland Kinder erzieht". So heisst es über die "Post-68er" Erziehung: [...] Trotz solcher Exzesse hat sich das Verhältnis zu den Kindern in jenen Jahren in Deutschland zum Guten gewandelt. Denn antiautoritär bedeutete im Normalfall nicht, jemanden mit Kakao zu bewerfen. Es bedeutete, dass Wissen vermittelt, nicht mehr eingebläut wurde. Es bedeutete, dass Eltern ihre Vorbildfunktion erkannten. Dass sie Abstraf-Rituale verabscheuten. Dass sich Mütter und Väter die Hausarbeit und die Kinderbetreuung zu teilen begannen. Und dabei entdeckten, dass Spaß, nicht lästige Pflicht, das Merkmal guter Erziehung sein sollte. Wenn heute die Mehrheit der Deutschen militärische Abenteuer konsequent ablehnt, dann auch, weil Disziplin, Drill und Gewalt den meisten zutiefst suspekt sind. Die 68er haben den Staat nicht umwälzen können, nicht einmal, als ihre Repräsentanten in die höchsten Ämter aufstiegen. Aber sie haben die Familie, sozusagen die kleinste tragende Einheit des Staats, radikal verändert. Wer heute die Folgen dieser Revolution als „Erziehungsnotstand“ abtut, hat nicht erlebt, was Erziehung vor 1968 bedeutete. Erziehung in Deutschland hieß dereinst vor allem: Erziehung zum Gehorsam. Und was das in diesem Land bedeutete, muss nicht mehr wiederholt werden.








