Im Folgenden sollen Sachverhalte, die mit dem Programm des lebenslangen, selbstgesteuerten Lernens verbunden sind, unter einer bildungssoziologischen Perspektive geprüft werden.
Die große Aspiration - Lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen (PDF)(Prof. Dr. Hermann Forneck, Institut für Erwachsenenbildung Giessen)
Die große Aspiration - Lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen (PDF)(Prof. Dr. Hermann Forneck, Institut für Erwachsenenbildung Giessen)
Kommentare:
# Moe schrieb am 19. Mrz, 16:52:
Selbstgesteuertes Lernen
So, ich werde mal versuchen einige wichtige Thesen aus diesem dann doch ziemlich wissenschaftlich verfassten Text in aller Kürze heraus zu stellen:
- Lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen in der Erwachsenenbildung wird notwendig, da der Staat die Anforderungen an den modernen Menschen nicht mehr durch die bisherigen, institutionalisierten Weiterbildungsangebote abdecken kann (oder will?).
- Selbstgesteuertes Lernen (SGL) wird als kostengünstiger und effektiver propagiert, was ein Trugschluss ist.
- Während die Weiterbildungseinrichtungen, die SGL anbieten durch die Kursgebühren der Teilnehmer finanziert werden sollen, werden die Einrichtungen, die das dort selbst Gelernte dann zertifizieren von den Ländern finanziert.
- Entgegen der propagierten Ansicht der Länder ist es für die Weiterbildungseinrichtungen jedoch mit höheren Kosten und höherem Zeitaufwand verbunden, multimediale Lernumgebungen zum SGL anzubieten, als "herkömmliche" Seminare anzubieten. Denn mit der alleinigen Bereitstellung eines "Lernquellenpools" ist es nicht getan.
- Der Lerner selbst muss eine wie auch immer geartete Kompetenz bis hin zu einer generellen Einstellung "metakognitiven Bewußstseins" mitbringen, um überhaupt effektiv selbstgesteuert lernen zu können. Diese wird im Memorandum der EU zum SGL paradoxerweise einerseits als bereits vorhanden unterstellt (aktives Lernen als reale soziale Tatsache), andererseits aber gefordert, um Angebote zum SGL überhaupt fruchtbar zu machen. Dies ist ein Widerspruch: Man versucht die bildungspolitischen Veränderungen durch die veränderte Art der Menschen, nun selbstgesteuert zu lernen, zu legitimieren. Andererseits fordert man aber auch, das die Lerner überhaupt erst damit beginnen, ihre Lernkultur zu wandeln und selbstgesteuert zu lernen.
- Die Fähigkeit zum SGL scheint in Abhängigkeit zum Bildungsgrad des Lerners selbst zu stehen.
- Aufgabe einer Erwachsenen- und Weiterbildung unter diesen Bedingungen müsste also sein, beim Lerner die Fähigkeit zum SGL herauszubilden, um diesem Widerspruch gerecht zu werden.
- Eigentlich geht es hierbei also um einen gigantischen Umerziehungsprozess der Bevölkerung: Sie soll überhaupt erst lernen, eigenverantwortlich und aktiv zu lernen, damit sie sich das bislang von der Bildungsinstitution Vermittelte nun ausserhalb dieser Institutionen selbst aneignet.
- Lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen wäre somit also ein "ehrgeiziges Metabildungsprogramm", welches den modernen Gouvernementalitätspraktiken (Foucault), mit denen Individuen durch Praktiken der Individualisierung gesteuert werden, zuzurechnen wäre.
# Stephan Mosel antwortete am 18. Dez, 10:09:
Wiki: Selbstgesteuertes Lernen
Siehe auch PlasticWiki : Selbstgesteuertes Lernen.








